Der Streit ist beendet. Ein Brand hat Fakten geschaffen. Am Sonntag ist die Nordbahnhalle im 2. Bezirk abgebrannt. Monatelang hat sich die Bürgerinitiative "SOS Nordbahnhalle" für den Erhalt des Gebäudes als Kultur- und Nachbarschaftszentrum engagiert. Die Stadt war dagegen.

Sie hat die Halle - nach einer höchst erfolgreichen Zwischennutzung von zwei Jahren - Anfang Juli gesperrt. Die Argumente der ehemaligen Nutzer wurden vom Tisch gewischt, eine Petition mit rund 4500 Unterschriften ignoriert. Sie erhielt erst am vergangenen Donnerstag im Petitionsausschuss der Stadt Wien eine Absage.

Verbarrikadiert und ohne Strom

Nun ist die Halle Vergangenheit. An einen Zufall will die IG nicht glauben. "Wir gehen von Brandstiftung aus", sagt die Mitbegründerin der Bürgerinitiative Elke Rauth gegenüber der "Wiener Zeitung". "Der Strom war gekappt, es wurden keine Chemikalien oder Ähnliches gelagert, es hat in den letzten Tagen geregnet. Uns fehlt jegliche Vorstellungskraft, wie die Halle ohne Fremdeinwirkung abbrennen konnte. Wir fordern eine penible, transparente und lückenlose Untersuchung des Brandes."

Außerdem sei die Halle Anfang Oktober von den ÖBB gesichert und verbarrikadiert worden, um Vandalismus zu verhindern. "Es war also nur schwer möglich, in die Halle zu gelangen", sagt Rauth.

Ursache bisher unklar

Bisher gibt sind Ursache und Hergang des Feuers völlig unklar. Die Ermittlungen werden vom Landeskriminalamt (LKA) Wien geführt, wie die Polizei in einer Aussendung mitteilte. "Aufgrund der stark beeinträchtigten strukturellen Integrität des Gebäudes und der einhergehenden statischen Gefahrenmomente kann das Gebäude derzeit von den Ermittlern nicht betreten werden", sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Sobald die Sicherheit in der Halle wiederhergestellt sei, würden die Untersuchungen im Inneren des Gebäudes starten. Die Ursachenerforschung werde demnach "noch einige Zeit in Anspruch nehmen".

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Rund um die Nordbahnhalle - inmitten des neuen Stadtentwicklungsgebiets Nordbahnviertel - werden Wohnbauten in die Höhe gezogen. Investoren verkaufen Wohnungen um gutes Geld. Die Lage ist ideal. Zwischen den Wohnbauten soll ein wilder Park, die sogenannte "Frei Mitte" für Erholung sorgen. Und genau dort stand die Nordbahnhalle.

"Die Investoren können hier kein Kulturzentrum brauchen"

Die Halle würde auf Kosten des Parks fallen, rechtfertigte die Stadt den geplanten Abriss. Die IG fand diese Argumentation fadenscheinig. Die Halle würde lediglich 1300 Quadratmeter des 90.000 Quadratmeter großen wilden Parks fressen. "Kultur darf nicht gegen Natur ausgespielt werden", sagte die Mitbegründerin der Bürgerinitiative Elke Rauth im Oktober.

In Kreisen der Befürworter der Halle geht man davon aus, dass die Stadt auf Drängen der Investoren handelte. Diese würden "ein soziokulturelles Kulturzentrum hier nicht brauchen", sagte ein Unterstützer der Halle. Er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Die Stadt wies dies freilich ab. "Mit den Beteiligten der Nordbahnhalle war von Anfang ausgemacht, dass das Projekt ein Ablaufdatum hat", sagte Georg Kehrer, Sprecher der Planungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Brigit Hebein (Grüne), Anfang Oktober zur "Wiener Zeitung".

Die Diskussion ist mit dem Brand nun vom Tisch. Die IG "SOS Nordbahnhalle" will trotzdem nicht aufgeben. "Wien braucht dringend gemeinwohlorientierte Räume für Nachbarschaft, Kultur und Soziales. Jetzt liegt es an der Stadtplanungspolitik, für einen Ersatz für die Halle zu sorgen", schreibt sie in einer Aussendung.