In der EU gibt es eine neue Sicherheitsnorm für Aufzüge. Alleine die zusätzliche Überprüfung auf Einhaltung der Norm würde für die 46.0000 Wiener Anlagen 14 Mio. Euro kosten. Die Stadt Wien müsste für ihre 9.000 Aufzüge 2,7 Mio. Euro Steuergeld ausgeben, für ein schon jetzt außerordentlich sicheres "Verkehrsmittel", kritisiert die Ziviltechnikerkammer. Für ganz Europa bedeute das Milliardenkosten.

In ganz Österreich hat es seit 2010 keinen Todesfall im Zusammenhang mit der Nutzung eines Aufzugs mehr gegeben. - © APAweb / dpa, Roland Weihrauch
In ganz Österreich hat es seit 2010 keinen Todesfall im Zusammenhang mit der Nutzung eines Aufzugs mehr gegeben. - © APAweb / dpa, Roland Weihrauch

Das Geld könnte in anderen Bereichen, zum Beispiel der Prävention von Todesfällen durch gefährliche Keime, sinnvoller angewendet werden und zu einem deutlich höheren Sicherheitsgewinn führen, sagte Erich Kern, Präsident der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Wien, Niederösterreich und Burgenland, im Gespräch mit der APA. Die Kammer hat gemeinsam mit der Stadt Wien eine "Abschätzung der Notwendigkeit zur neuerlichen Nachrüstung bestehender Aufzüge auf den Stand der Technik" erstellt und damit Kosten und möglichen Nutzen der neuen Norm (EN 81-80) gegenübergestellt.

Seit 2010 keinen Todesfall durch Aufzüge

Daraus geht hervor, dass es in ganz Österreich seit 2010 keinen Todesfall im Zusammenhang mit der Nutzung eines Aufzugs gegeben hat - bei 80.000 Personen- und Lastenaufzügen. Nur rund 100 Schadensfälle werden pro Jahr registriert. Statistisch sei ein Todesfall mit einem Aufzug inzwischen gleich unwahrscheinlich wie das Zusammenbrechen des ganzen Gebäudes. "Rein rational, aus technischer Sicht, macht diese Nachrüstung keinen Sinn", so Kern. Der Zuverlässigkeitsgewinn stehe in keinem vertretbaren Verhältnis zu den anfallenden Kosten. Er wünscht sich angesichts beschränkter Ressourcen eine öffentliche Diskussion, nicht nur über diese Norm, sondern grundsätzlich über die Bereiche, in denen in mehr Sicherheit investiert werden soll.

Denn man müsse auch bedenken, dass bessere Sicherheitsmaßnahmen die Menschen sorgloser werden lassen. Im Bericht heißt es: "Wir Menschen haben (die) Eigenschaft, ein Risiko konstant zu halten. Bessere Sicherheitssysteme führen daher nicht zwingend zu einer verminderten Unfallhäufigkeit, wenn wir im Bewusstsein der höheren Zuverlässigkeit der technischen Systeme immer leichtsinniger werden." Und der Bericht weist darauf hin, dass in den Aufzugsbestimmungen ein im Bauwesen einmaliger "Schutz vor Unachtsamkeit und unbewusster Sorglosigkeit der Benutzer" verlangt ist.