Ferry Kovarik gilt in Ottakring als "Original". Er hat bereits mehrere Bücher über den Bezirk veröffentlicht. "Wuchteln aus Ottakring" ist eines davon. Seine Geschichten, bei denen er dem Volk aufs Maul geschaut hat, wurden legendär. Sie haben längst die Ottakringer Bezirksgrenzen gesprengt. Ein Beispiel aus einem seiner Bücher: "Sichtbares Zeichen der Emanzipation ist die Zunahme der Polizistinnen. Auch in Ottakring folgte man dem Zug der Zeit. Da kam eines Tages eine resolute Dame ins Wachzimmer des Kommissariates in der Ottakringer Straße/Wattgasse, um eine Vermisstenanzeige zu erstatten. Ihr Mann sei schon drei Tage abgängig. Länger als zwei Tage sei er noch nie ausgeblieben! Die diensthabende Polizistin ersuchte nach Aufnahme der ,Nationale‘ um eine Personenbeschreibung. Die ergab folgendes Bild: Körperbau klein, dickbauchig und gedrungen. Haarfarbe: Glatze, Teint - aschfahl, Gebiss - zahnlos. Da unterbrach die Polizistin mitfühlend: ,Sie - wissen S’ was - am besten ist, wir suchen eam gar net!‘

Prof. Kovariks Ottakring-Werk in Neuauflage. - © F. Kovarik
Prof. Kovariks Ottakring-Werk in Neuauflage. - © F. Kovarik

"Wuchteldrucker" Ferry Kovarik hat nun ein neues Buch-Projekt realisiert, das von besonderem historischen Wert für seinen Bezirk gezeichnet ist. Die von ihm überarbeitete und ergänzte Bezirks-Chronik wird am Mittwoch im Ottakringer Amtshaus von der Bezirksvorstehung präsentiert. Sie umfasst fast 1000 Seiten. In ihr findet sich unter anderem genaue Straßenbezeichnungen und ihr Ursprung mit historischen Bezügen aller Art. Beispiel "Neulerchenfelder Strasse 14": Hier befand sich einst das Wirtshaus "Zur Blauen Flasche". Der gegen den Vater und das herrschende System rebellierende Johann Strauß Sohn führte 1848 an diesem Ort die "Liquorianer-Seufzer-Polka" als Gegenstück zum systemtreuen "Radetzkymarsch" des Vaters auf. Die "Blaue Flasche" wurde 1945 zum Tanzlokal "Thumser". Diesem haben Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger im legendären "G’schupften Ferdl" ein Denkmal gesetzt: "Denn beim Thumser draust is’ Perfektion". Eine echte Schlägerei vor dem Lokal bot den Anlass für den wahrscheinlich berühmtesten Kabarettsong jener Ära.

Ferry Kovarik gilt als "Ottakringer Original". - © Privat
Ferry Kovarik gilt als "Ottakringer Original". - © Privat

Außerdem finden sich im Bezirksbuch genaue Beschreibungen zu Weinbau, Milchwirtschaft und Handwerk. Größeren Raum nimmt natürlich auch die weltberühmt gewordene "Ottakringer Brauerei" ein. Kovariks humoristische Erklärung für den Aufschwung des Gerstensaftes im Bezirk: "Dort, wo die Brauer hausen, können sich die Hauer brausen."

Kovarik, seit langem vom Bundespräsidenten ernannter "Professor" hat als kleiner Installateur beim Gaswerk begonnen. Nach der Erdgasumstellung suchte er einen neuen Job. Helmut Zilk erkannte in einem Gespräch das Kommunikationstalent Kovariks und holte ihn zum Aufbau in den "Bürgerdienst": Von dort aus richtete Kovarik seinen besonderen Fokus auf den Heimatbezirk und wurde zu seinem populären Chronisten.