Es wird heiß. Die Städte heizen sich zunehmend auf. Im Sommer 2018 gab es in Wien mit 42 Hitzetagen doppelt so viele Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius als im langjährigen Mittel. Der heurige Sommer war überhaupt der heißeste in der Geschichte der Stadt. Die Temperaturen waren im Schnitt um drei Grad zu hoch. Der Trend ist eindeutig. Prognosen zufolge wird es zwischen 2021 und 2050 im Durchschnitt 19 Hitzetage geben. Von 1981 bis 2010 waren es noch 15. Um es in den heißen Wohnungen einigermaßen zu ertragen, greifen viele Wiener zur Klimaanlage. Wirkt zwar kurzfristig, heizt dem Klima, aufgrund der hohen Emmissionswerte der Geräte auf lange Sicht aber zusätzlich ein. Ökologischer und erstaunlich wirksam sind hingegen Beschattungen. Und auf diese setzt nun auch die Stadtpolitik.

Sie startet eine sogenannte "Verschattungsoffensive". Konkret wird sie Sonnenschutzmaßnahmen an Fenstern und Balkontüren finanziell fördern. Geld gibt es also für die Anbringung von Rollläden, Jalousien, Markisen und Co. Damit sollen sich Hausbewohner für die klimawandelbedingte Zunahme von Hitzetagen rüsten können, sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).

Häuser in Schutzzonen brauchen Bewilligung

Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Stadt 50 Prozent der Kosten, allerdings maximal 1500 Euro pro Wohneinheit. Die Rechnung und ein Qualitätsnachweis muss in der MA 50 (Wohnbauförderung) vorgelegt werden. Für Mieter gilt, dass auch der Hauseigentümer der Anbringung zustimmen muss. Die Förderung steht auch Gemeindebaubewohnern zu.

Doch nicht allen Haushalten steht der Zuschuss zu. Die Häuser müssen älter als 20 Jahre sein. In Schutzzonen und an denkmalgeschützten Gebäuden wird individuell entschieden, ob etwa eine Außenjalousie zulässig ist. "Hierfür benötigen Eigentümer und Mieter eine Bewilligung", heißt es aus dem Büro von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal gegenüber der "Wiener Zeitung". Diese stellt die MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) aus.

Die Aktion startet mit dem vorgesehenen Gemeinderatsbeschluss im Dezember und läuft bis Ende 2025. Im Büro von Gaal rechnet man mit einem Fördervolumen von sechs Millionen Euro oder mindestens 4000 Anträgen. Sollte die Nachfrage trotzdem deutlich höher sein, werde man weiteres Geld zur Verfügung stellen, wurde versichert.

"Die in den vergangenen Jahren gestiegene Zahl der Hitzetage verlangt nach klimaschonenden Maßnahmen, die den Wienerinnen und Wienern konkrete Unterstützung bieten", so der Bürgermeister: "Wir haben bewusst genug Vorbereitungszeit einkalkuliert, damit diese Förderung bereits im kommenden Sommer greifen kann." "Außenliegender Sonnenschutz wie Rollläden, Jalousien und Markisen kann bei Sommerhitze spürbare Verbesserung bringen und das sommerliche ‚Aufheizen‘ von Wohnräumen wirklich deutlich reduzieren", ergänzte Gaal.

Die Grünen als Koalitionspartner strichen indes hervor, dass man die erwähnten Beschattungsmaßnahmen der Installierung von Kühlgeräten bevorzugt. "Damit fördern wir eine Maßnahme, die mit sehr geringen Kosten verbunden ist und vor allem keinen zusätzlichen Energiebedarf - wie beispielsweise Klimaanlagen - mit sich bringt", führte der grüne Planungs- und Energiesprecher Peter Kraus aus.(apa/wint)