Er hieß zwar nicht Karl Marx sondern Karl Mark. Sich selbst bezeichnete Mark auch ohne "x" im Namen zeitlebens als "roten Hund". Diese abfällige Bezeichnung von Gegnern der Sozialdemokratie aus der Zwischenkriegszeit trug der langjährige Funktionär der SPÖ-Döbling gerne wie ein Adelsprädikat vor sich her. Karl Mark (1900 bis 1991) betitelte seine 1975 erschienene Biografie daher auch folgerichtig selbst mit "75 Jahre roter Hund".

Mark hatte nach der Matura im Döblinger Gymnasium Rechts- und Staatswissenschaften studiert. Von 1921 bis zum Verbot seiner Partei 1934 war er roter Bezirkssekretär. Als ein Führer des linken Parteiflügels wurde er dann eingesperrt und im Lager Wöllersdorf interniert.

So richtig Bezirksgeschichte schrieb Mark mit einem selbstbewussten Auftritt nach der Befreiung Wiens am 10. April 1945. Karl Mark nahm sich ein Herz, marschierte direkt zum russischen Militär-Kommandanten um zu erklären, was jetzt für seinen Bezirk geschehen müsse.

Eine Gedenktafel belegt die Funktion des "Burgomistr". - © R. Newald
Eine Gedenktafel belegt die Funktion des "Burgomistr". - © R. Newald

Der beherzte Auftritt gepaart mit ein paar russischen Brocken, beeindruckte durchaus. Der Kommandant der Roten Armee sagte ohne Umschweife zu Mark: "Du, Burgomistr!" So wurde der "rote Hund", ehe er sich versah, zum ersten Bezirksvorsteher der Nachkriegszeit.

Diese Geschichte liefert auch die Erklärung für eine Gedenktafel aus Marmor, die sich bis heute am Gemeindebau "Karl-Mark-Hof" (ebenfalls nicht zu verwechseln mit dem "Karl-Marx-Hof") in Döbling befindet. Dort steht die auf Anhieb nicht leicht nachvollziehbare Funktionsbezeichnung in Blockbuchstaben für alle Zukunft sichtbar eingemeißelt: "BURGOMISTR".

Karl Mark. - © Archiv
Karl Mark. - © Archiv

Ab Dezember 1945 saß Mark für die SPÖ im Nationalrat. Zudem war er Generalsekretär des Bundes der politisch Verfolgten. Marks Tochter Susi Schneider-Mark (1943-2009) genoß als Journalistin besonders hohes Ansehen in ihrer Kollegenschaft. Sie lebte als Erwachsene jahrzehntelang im Staat New York und war USA-Korrespondentin der "Arbeiter-Zeitung" und berichtete ab 1991 für den "Standard" aus den Vereinigten Staaten. Susi Schneider lebte zuletzt, schwer krank, bei ihrer Schwester in Saalfelden.

Die Döblinger Bezirkspolitik kann neben dem Burgomistr noch eine weitere personelle Besonderheit verweisen: Adolf "Adi" Tiller (geboren zu Kriegsbeginn im September 1939) ist der dienstälteste und längstdienende Parteiobmann und Bezirksvorsteher eines Wiener Bezirks. 1978 eroberte er für seine ÖVP die Mehrheit. In der Folge wurde unter Tiller die relative Mehrheit bei jeder Bezirksvertretungswahl gehalten. Er blieb bis 2018 an der Spitze. Innerhalb der ÖVP Wien galt der populäre Tiller als Machtfaktor, wobei er zu den treibenden Kräften bei der Demontage des Wiener Stadtparteiobmanns Bernhard Görg gezählt wurde. Am 31. Oktober 2018 legte Tiller das Amt des Bezirksvorstehers zurück. In dieser Funktion folgte ihm Daniel Resch nach.