Superhelden, Charaktere aus "Star Wars" und aus Videogames sowie sonstige schrille Figuren haben am Samstag die zweitägige ComicCon in Wien bevölkert. "Man entflieht der Realität und lebt für ein Wochenende in einer Rolle", beschrieb Besucherin Sammi die Faszination, an so einem Event teilzunehmen und sich dafür zu verkleiden. Stars wie Comics-Zeichner Jim Balent und Frank Miller gaben Autogramme.

Sammi ist mit drei Freundinnen aus Ungarn angereist und hat sich in eine Figur aus ihrem Lieblingsspiel "Nier Automata" verwandelt. An einem Stand ums Eck in der Messe Wien posierten Helden aus dem Marvel-Universum - wie Spider-Man und Captain America. Zu der vor fünf Jahren gegründeten Gruppe gehört auch Annika aus Deutschland, die als weiblicher Thor Fotowünsche erfüllte: "Wir mögen die Comics und Filme, tragen aber auch die Kostüme gerne. Zusammen macht das mehr Spaß", sagte sie zur APA. Dass sich das Frauenbild in Comics und -verfilmungen geändert hat, begrüßt sie: "Es gibt ja schon länger weibliche Superhelden. Nur waren die früher sehr sexualisiert, weil die Zielgruppe eine andere war. Jetzt geht alles mehr in den Mainstream, darum sind die Superheldinnen jetzt ein bisschen angezogener und selbstbewusster."

Rundungen sind sexy

Jim Balent aus Pennsylvania hat rund zehn Jahre die Serie "Catwoman" gezeichnet und den Charakter aus "Batman" neu erfunden und geprägt. "Ich hielt Catwoman immer schon für den sexiest und gleichzeitig gefährlichsten Charakter im Comic-Universum", erzählte der Amerikaner im Interview. "Als ich gefragt wurde, Catwoman neu zu designen, war ich mehr als happy. Die Vorgabe war, sie nicht wie Michelle Pfeiffer im Batman-Film aussehen zu lassen. Ich habe also eine sexy Frau mit Rundungen gezeichnet, die aber auch sehr wild und stark ist."

Auf den Geschmack sei er sehr früh gekommen, betonte Balent. "Mit fünf Jahren habe ich meine ersten Comics selbst gezeichnet, Spiderman im Fernsehen und die alte Batman-Serie angeschaut und mich in das Genre verliebt." Seit 20 Jahren bringt Balent mit seiner Frau Holly Golightly, selbst Comic-Künstlerin, im Eigenverlag die Serie "Tarot: Witch of the Black Rose" heraus. Darin wimmelt es nicht nur vor Hexen, auch der Krampus kommt regelmäßig zu Besuch. "Ich liebe den Krampus! Ich wollte in Wien den Krampus sehen, aber nun haben mir die Leute erzählt, dass die Krampusläufe am Land und nicht in der Stadt stattfinden. Sehr schade", machte Balent ein enttäuschtes Gesicht.