Spaß haben beim Müll aufsammeln, das versucht das US-Onlineprojekt "Litterati" seit seiner Gründung vor vier Jahren zu vermitteln. Und es gelingt immer besser. Mehr als 150.000 Menschen in 117 Ländern haben die dazugehörige App bereits auf ihrem Smartphone installiert. Sie klauben Müll vom Boden auf, fotografieren diesen, rücken das Foto mithilfe eines Filters in ein besseres Licht, stellen das Foto dann online und entsorgen natürlich auch den Müll. 4,5 Millionen Abfallteilchen wurden auf diesem Weg eingesammelt, das Ziel einer abfallfreien Welt ist damit um ein Stück nähergerückt.

Für die am Montag gestartete Kampagne "Clean dein Wien" kooperiert "Litterati" nun sogar mit Zigarettenhersteller Philip Morris. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt Co-Gründer Dick Ayres, warum vor allem Zigarettenstummel giftig für die Umwelt sind.

"Wiener Zeitung": Herr Ayres, "Litterati" wurde gegründet, um Menschen dazu zu bringen, Müll aufzusammeln. Nun kommen Sie durch die Kampagne "Clean dein Wien" nach Österreich. Ist Wien schmutzig?

Im WZ-Interview erklärt Dick Ayres, warum vor allem Zigarettenstummel giftig für die Umwelt sind. - © Diva Shukoor
Im WZ-Interview erklärt Dick Ayres, warum vor allem Zigarettenstummel giftig für die Umwelt sind. - © Diva Shukoor

Dick Ayres: Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt. Müll ist hier zwar nicht das größte, aber er ist auch ein Problem. Mit unserer Initiative wollen wir Wien vom Müll befreien.

Ihr Fokus liegt vor allem auf weggeworfenen Zigarettenfiltern. Warum?

Sieht man sich weltweit die Zusammensetzung von Müll an, stehen Zigarettenstummel ganz oben. Sie werden nicht richtig entsorgt, landen im Klo, werden durch die Kanaldeckel geworfen. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass die Filter aus Mikroplastik bestehen, die sich in den Gewässern zersetzen und von Fischen gefressen werden. Wir wollen dieses Wegwerf-Verhalten ändern.

Wie viele Zigarettenstummel werden in Wien weggeworfen?

Jährlich verschmutzen die Wiener ihre Parks, Straßen und Flüsse mit 850 Millionen Filtern. Weltweit werden 4,5 Billionen Filter falsch entsorgt.

Wie sollten die Zigarettenfilter richtig entsorgt werden?

Sie sollten in speziell dafür angefertigten Mistkübeln entsorgt werden.

Wer sollte diese Mistkübel zur Verfügung stellen?

Das ist eine gute Frage. Es müsste wohl eine Mischung aus Bürger, Stadt und Wirtschaft sein. Die Bürger sollten die Filter richtig entsorgen in geeigneten Behältern, die von der Stadt aufgestellt werden. Die Wirtschaft sollte ein Produkt entwickeln, das leicht zu handhaben ist.

"Clean dein Wien" ist eine Kampagne des Zigarettenherstellers Philip Morris. Wie passt das zusammen?

Das müssen Sie die Leute von Philip Morris fragen. Wir sind fokussiert darauf, eine abfallfreie Welt zu schaffen, und arbeiten auch mit der Tierschutzorganisation WWF, den Vereinten Nationen, dem Königreich Bahrain, den Erzeugern von Lipton Ice Tea oder der US-Stadt Philadelphia zusammen.

Die Filterzigarette ist also giftig für die Umwelt, ihre Entsorgung aufwendig. Tabakkonzerne wie Philip Morris setzten zuletzt verstärkt auf Tabakerhitzer, andere auf E-Zigaretten. Sind diese umweltfreundlicher?

Wir sind kein wissenschaftliches Unternehmen. Wir konzentrieren uns nicht auf den Grad der Giftigkeit, sondern versuchen, Menschen zusammenzubringen.

Wie sollten Tabakerhitzer und E-Zigaretten entsorgt werden?

Zu E-Zigaretten und Tabakerhitzern gibt es noch zu wenig Daten. Philip Morris bietet aber ein Rücknahmesystem für seine Tabakerhitzer an.

Die Kampagne ist am Montag gestartet. Was wäre für Sie ein Erfolg?

Menschen sind es gewohnt, Müll zu sehen, sodass sie ihn ignorieren. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen und die Menschen auf den Müll fokussieren, damit sie nicht mehr wegschauen können.

Müll aufzuheben ist nicht unbedingt eine Tätigkeit, der man gerne nachgeht. Wie wollen Sie das ändern?

Mit unserer App. Wir wissen von anderen Städten, dass es funktioniert. Mittlerweile haben 150.000 Aktivisten über unsere App rund 4,5 Millionen Abfallteilchen gesammelt. Wir wollen Helden schaffen, die Müll aufheben. Was wäre denn sonst die Alternative? Leute bestrafen? Das wäre nicht die Lösung.