Eine in Wien ansässige Familie, in der am Mittwoch der Mann die Ehefrau getötet haben soll, ist den Behörden bekannt gewesen. Der 17-jährige Sohn hatte sich bereits wegen Schwierigkeiten innerhalb der Familie an die Jugendhilfe gewandt. Dabei sei zwar von Streitereien, aber "niemals von Gewalt" die Rede gewesen, sagte Andrea Friemel von der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) am Donnerstag.

Der afghanische Staatsbürger wird verdächtigt, am Mittwochabend während eines Streits seine Frau mit einem Messer attackiert und dabei tödlich verletzt zu haben. Vier ihrer fünf Kinder waren zum Tatzeitpunkt zu Hause. Der 62-Jährige ließ sich danach widerstandslos festnehmen. Die fünf Kinder der Familie sind in Kriseninterventionszentren untergebracht.

Gefährlichste Zeit

Die Bluttat war heuer bereits die 33. Tötung einer Frau in Österreich. Laut Familienrechtsexpertin und Scheidungsanwältin Susanna Perl ist die gefährlichste Zeit für eine Frau in einer Beziehung mit einem gewalttätigen Mann die, wenn sie sich trennen will und mit dem Partner noch unter einem Dach wohnt.

"Was mich erschreckt ist, dass Frauen so lange in solchen Beziehungen bleiben und erst spät in die Rechtsberatung kommen", meint Perl. Sie und ihr Partner sind in der Wiener Kanzlei jährlich mit rund 100 Scheidungsfällen befasst. Bei etwa der Hälfte davon komme es zu Gewalt. Hat die Frau einen neuen Partner, reagiere der Exmann eher mit Gewalt, wie aus ihrer Erfahrung hervorgehe, sagt Perl. Frauen, die sich zu einer Scheidung entschließen, rät sie, einen Haushaltsplan zu erstellen und Informationen zu sammeln - "zu schauen, wieviel Geld habe ich zur Verfügung, wieviel Unterhaltsanspruch besteht, wie hoch sind meine Fixkosten" - dann könne ein entsprechendes Dokument an den Partner aufgesetzt werden.

Frauenhäuser fordern wirksamere Schutzmaßnahmen

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) hat am Donnerstag an die aktuelle und die zukünftige Regierung appelliert, "endlich in wirksamere Maßnahmen zum Schutz und in die Sicherheit von Frauen und deren Kindern zu investieren".


"Es muss eine klare Strafverfolgung von Gewalttaten an Frauen und häuslicher Gewalt umgesetzt werden - bevor ein Mord passiert", so AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer. Dazu gehörten eine lückenlose Ermittlung und Beweisführung sowie die U-Haft für sehr gefährliche Täter.

Anzeigen werden jedoch immer noch viel zu oft eingestellt und Drohungen seitens des Täters von Polizei und Justiz nicht ernst genommen. Am gefährlichsten für die Frau sei die Zeit einer Trennung. Ein höheres Strafausmaß schrecke keinen Gefährder von der Tat ab, es brauche die tatsächliche Anwendung des aktuellen Strafrahmens sowie Richtlinien zur Gefährlichkeitseinschätzung, eine flächendeckende opferschutzorientierte Täterarbeit sowie verpflichtende Fortbildungen in der Justiz in Bereich Gewalt an Frauen. Dringend nötig wäre auch der Ausbau einer kindergerechten psychologischen Betreuung bei Gewalt in der Familie. Kinder, die Zeugen von Gewalt werden, leiden oft ihr Leben lang unter den Folgen und sind häufig schwer traumatisiert.