Der 20. Platz für Bilbao mag überraschen. Weniger überraschend war Platz 2 für Wien. Wenn überhaupt, konnte man sich wundern, dass die erfolgsverwöhnte österreichische Hauptstadt es nicht auf Platz 1 des Picsa-Städterankings geschafft hat. Dieser "Prosperity and Inclusive City Seal and Award" wurde vergangene Woche zum ersten Mal vergeben und misst neben Wirtschaftsleistung und Wohlstand auch, wie sehr es gelingt, alle Bewohner in den Genuss der urbanen Blüte zu bringen. Das BIP pro Kopf ist ebenso Teil der Berechnungen wie die Erschwinglichkeit von Wohnungen oder der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

"Das ausgezeichnete Abschneiden im Ranking zeigt: Wien lässt in seiner Erfolgsgeschichte niemanden zurück", fasste der Wiener Landtagspräsident Ernst Woller das Ergebnis bei der Preisverleihung zusammen. Aber dass Bilbao, wo der Preis vergeben wird, weit abgeschlagen liegt, ist dann doch überraschend. Denn die baskische Stadt ist nicht nur eine der reichsten in Spanien, sondern hat auch - so wie das Baskenland überhaupt - die höchsten Sozialleistungen.

Heute sind dort ein Park und das Guggenheim-Museum (rechts neben der Brücke). - © de Bilbao
Heute sind dort ein Park und das Guggenheim-Museum (rechts neben der Brücke). - © de Bilbao

Verseuchte Stadt

Die Basken stellen gerade einmal 6,4 Prozent der spanischen Bevölkerung. Dafür werden hier 40 Prozent aller in Spanien geleisteten Zahlungen für Soziales verbucht, die die autonome Region selbst vergibt. Es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen, Sozialwohnungen und beste Gesundheitsvorsorge. Die Parks in den Armenvierteln von Bilbao sehen genauso aus wie in den reichen. Die Stadt ist aus natürlicher wie architektonischer Sicht ein Leckerbissen. Dabei zählte Bilbao noch vor 30 Jahren zu den verseuchtesten Städten Europas.


"Wir waren stolz auf unsere Industrie und unsere Fabriken. Die Umweltverschmutzung war uns egal", sagt Asier Abaunza Robles, Stadtrat für Stadtplanung in Bilbao. Der inklusive Umland knapp eine Million Einwohner zählende Ort an der Nordküste Spaniens hatte von jeher eine privilegierte geografische Lage. In der Umgebung gibt es vortreffliche Eisenerzvorkommen. Dazu liegt Bilbao eingebettet zwischen den Pyrenäen auf der einen Seite und dem kantabrischen Gebirge auf der anderen Seite und ist der bevorzugte Hafen für alles, was aus dem Norden kommt. Dementsprechend florierten Industrie und Handel - auf Kosten der Bevölkerung. Ein Beispiel: Bis in die 80er Jahre gab es in Bilbao genau einen Park. Fluss und Erde der Stadt waren mit Schwermetallen und giftigen Chemikalien verseucht.


In den 70er Jahren begann sich die Situation zu verschlechtern. Der Druck eines zunehmend globalisierten Marktes hinterließ seine Spuren. 1975 war jeder dritte Bilbainer arbeitslos. Als dann noch 1983 eine Flut weite Teile der Stadt zerstörte und dutzende Menschenleben kostete, beschloss man, Bilbao radikal zu ändern. Ziel war eine Dienstleistungsgesellschaft in einer sauberen, natürlichen Umgebung.