Wien ist die drittunfreundlichste Stadt der Welt. Das besagt zumindest eine Umfrage unter Ausländern, die hier aus beruflichen Gründen leben. Amerikanische Studenten sehen das offenbar anders, die zu Hunderten Jahr für Jahr nach Wien kommen. In ganz Österreich waren es im vergangenen Jahr 3161. Und sie sind zufrieden.

Traumziel vieler österreichischer Studenten: die US-Eliteuni Harvard. - © afp/Scott Eisen
Traumziel vieler österreichischer Studenten: die US-Eliteuni Harvard. - © afp/Scott Eisen

"Sehr viele amerikanische Studenten sind hier glücklich", sagt Caroline Casagrande, Verantwortliche für Studienprogramme im US-Außenministerium. Trotzdem mag es überraschen, dass knapp drei Mal so viel Amerikaner zum Studieren nach Österreich kommen als umgekehrt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass österreichische Universitäten aufgrund von Sprache und Universitätsrankings nicht dazu prädestiniert sind, das Primärziel ausländischer Studenten zu sein. Amerikanische Universitäten zählen hingegen zu den besten der Welt und belegen stets die meisten und vordersten Plätze der Top-Ten-Rankings.

Lediglich 1098 österreichische Studenten verschlug es 2018 in die USA. Das ist zwar immerhin die vierthäufigste akademische Destination im Ausland - nach Deutschland, England und der Schweiz. Dennoch ist die Zahl vergleichsweise niedrig.

Liegen dürfte das unter anderem am Geld und an der Bürokratie. Denn Studiengebühren können in den USA ganz schön happig sein. Viele Familien legen dort schon bei der Geburt des Kindes ein Sparkonto an, um später die Studiengebühren des Nachwuchses bezahlen zu können. Schätzungen geben die durchschnittlichen Kosten mit 12.000 bis 18.000 US-Dollar pro Jahr an. An den guten privaten Universitäten kommt man schnell einmal in Regionen um die 40.000. Hinzu kommen zumindest noch Kost und Logis.

Doch davon braucht man sich in Österreich nicht abschrecken zu lassen, erklärt Casagrande. Zum einen gibt es in den USA etwa 4700 Universitäten - da sei für jede Preisklasse etwas dabei. Zum anderen gibt es eine Vielzahl an Stipendien, durch die die Studiengebühren übernommen oder zumindest reduziert werden. "Gerade Österreicher schneiden hier überdurchschnittlich gut ab; sie gehören zu den besten Studenten weltweit", sagt Casagrande.

Anlaufstelle für Studenten, die in die USA wollen

In Wien gibt es mit Fulbright Austria im Museumsquartier zudem eine kostenlose Beratungsstelle für Studien in den USA. Die hilft dann auch dabei, den Weg durch den bürokratischen Dschungel zu finden. Denn in den USA zu studieren, bedeutet einen klar größeren Papierkrieg als im fast schon formlosen europäischen Erasmus-Programm. Unter anderem wird von den Studierenden viel mehr Interaktion mit der Universität gefordert als in Europa.

"Amerikanische Universitäten interessieren sich für mehr als nur die Noten", erklärt Casagrande. "Die wollen schriftliche Bewerbungen, Einschätzungen der Professoren, die wollen wissen, was die Studenten für die Gemeinschaft leisten. So funktioniert das amerikanische Bildungssystem. Es geht weit über den Hörsaal hinaus." Es ist Arbeit, aber ein System, das anzusehen sich lohnt - immerhin produziert es die besten Universitäten der Welt.