Die Männer sehen müde und erschöpft aus. Einige liegen auf Feldbetten in den Gängen und schlafen. Es sind wohnungslose Menschen, die in der Wärmestube Obdach Apollogasse im 7. Bezirk Zuflucht gefunden haben.

Bereits zum zehnten Mal ergreift der Fonds Soziales Wien diese "Wintermaßnahme": Noch bis 4. Mai 2020 können in Wien rund 1500 Betten von obdachlosen Menschen in Anspruch genommen werden. "Normalerweise haben wir circa 140 Besucher pro Tag. Viele davon sind Stammgäste", sagt Vera Howanietz, Bereichsleiterin der Wärmestube Obdach Apollogasse. Die Einrichtung von Obdach Wien ist täglich von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Bis zu 75 Personen können sich gleichzeitig in der Wärmestube aufhalten. Danach können die Menschen in Nachtquartiere weiterziehen, um der klirrenden Kälte zu entgehen.

Kälte-App soll helfen

Doch nicht alle finden rechtzeitig einen Platz. Um ihnen zu helfen, hat der Fonds Soziales Wien die kostenlose Kälte-App bereitgestellt - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Die App bietet Passanten eine anonyme Möglichkeit zu helfen. In Notfällen ist weiterhin die Rettung unter 144 zu verständigen. Seit Dezember seien bereits 250 Meldungen eingegangen.

Dass die Wärmestube in der Apollogasse früher das Tageszentrum des Sophienspitals war, ist bis heute sichtbar. Der Laminatboden und die kahlen Wände verleihen den Räumlichkeiten Spitalsatmosphäre. Hinter dem großen Speisesaal, wo es täglich Frühstück, Mittag- und Abendessen gibt, befinden sich Küche und Sanitäranalgen. Dort gibt es neben Duschen und Toiletten auch Waschmaschinen. Aus der Küche führt ein langer Gang. An der Wand des Ganges stehen grüne Feldbetten, die speziell für obdachlose Hundebesitzer bereitgestellt sind. Hunde dürfen nämlich nicht in die Ruheräume, wo für Männer und Frauen Stockbetten bereitstehen.

"Es gibt Menschen, die eine Allergie gegen Hunde oder vielleicht Angst vor ihnen haben", erklärt die Bereichsleiterin. Aber nicht nur Nahrung, Schutz und Schlafplätze werden hier geboten, auch stehen den Menschen Ansprechpartner mit einem offenen Ohr zur Verfügung. "Je länger man auf der Straße lebt, desto schlechter wird auch die psychische und physische Verfassung eines Menschen", sagt Howanietz.

Spenden von Anrainern

Eine gelb-schwarze Linie am Boden markiert die Grenze zum Mitarbeiter-Areal, wo sich Dienstzimmer und Lagerräume befinden. Im Lagerraum finden sich zahlreiche Grundnahrungsmittel wie Reis, Milch, Kaffee, Gemüse, Obst und literweise Öl. Das meiste davon steht einfach auf Paketwagen - Regale fehlen. Der Großteil des Essens wird von der Wiener Tafel drei bis vier Mal wöchentlich gespendet. "Besonders Gewürze, aber auch Ingwertee können wir im Winter noch gut gebrauchen", sagt Howanietz.