Einmal mehr verglich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig am Donnerstag die Digitalisierung mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. "Sie bringt Vorteile, etwa in der Medizin, aber auch die Gefahr, dass Bevölkerungsgruppen überrollt werden" - und die dürfe man nicht alleine lassen. Die Digitalisierung sei "eine zeitgenössische Kulturrevolution, die längst im Gang ist und den Humanismus als menschliche Kontrolle benötigt", so Ludwig.

Aus diesem Grund verdoppelt nun der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) die Mittel für die zweite Ausschreibungsrunde im April 2020 für das bereits heuer gestartete Forschungsprogramm "Digitaler Humanismus" der Stadt Wien mit einer Million Euro, wie der Bürgermeister und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler (beide SPÖ) einer Pressekonferenz erklärten. Damit stehen nun insgesamt 2,3 Millionen Euro für Projekte zur Verfügung, die sich für den digitalen Humanismus einsetzten - wie etwa jenes aus der ersten Ausschreibungsrunde, wo künstliche Intelligenz gegen rassistische Hasspostings eingesetzt wird oder das Vermittlungsprojekt "Cyber Heroes" des Instituts für Soziologie der Universität Wien für jugendgerechte Online-Zivilcourage. Die Einzelprojekte werden mit einer Laufzeit von 2 bis 4 Jahren jeweils mit bis zu 400.000 Euro gefördert.

"Zeit des Erwachens"

"Wir befinden uns in einer Zeit des Erwachens", meinte Kaup-Hasler. Die Gesellschaft müsse gerade schmerzhaft erfahren, dass Digitalisierung nicht nur mit der Demokratisierung von Information zu tun habe, sondern dass die Digitalisierung vor allem wirtschaftlichen Interessen folge. "Selbst der Erfinder des Internets, Tim Berners-Lee, hat gesagt: The System is failing. Und zwar weil es keine ethischen Ansprüche gibt und keine Maßnahmen, dieses Geschenk zu regulieren", sagte Kaup-Hasler. Und aus diesem Grund dürfe eine Stadt wie Wien niemals den sozialen Zusammenhalt aus den Augen verlieren.

"Mit dem Geld animieren wir nun Forscher, in allen Bereichen der IT gemeinsam mit Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften zusammenzuarbeiten, damit alle Menschen die Digitalisierung sinnvoll nutzen können." Dazu werde man auch eine zweite Welle der Volksbildung benötigen, weil es Generationen gebe, bei denen die Digitalisierung noch gar nicht angekommen sei - "obwohl mittlerweile jeder davon betroffen ist", so Kaup-Hasler. Hier müssten neue Lösungen entwickelt werden, "um der globalen Entwicklung ein humanistisches Antlitz zu verleihen."

Wissenschaftsball im Jänner

Die Pressekonferenz wurde darüber hinaus als Gelegenheit genützt, um auf den "6. Wissenschaftsball - ein bi(e)näres Vergnügen aufmerksam zu machen, der am 20. Jänner 2020 im Rathaus stattfinden wird. Heuer steht der Ball unter dem Motto "Biodiversität" - verkörpert vor allem durch die Biene. Dem folgt auch die diesjährige Gestaltung der Säle und des Programms, wie Ballorganisator Oliver Lehmann erklärte. Der Wissenschaftsball wurde im Übrigen vor sechs Jahren vom ehemaligen Bürgermeister Michael Häupl unter dem Motto: "Spaß mit Anstand und Tanz mit Haltung" sozusagen als Gegenprogramm zum Akademikerball der FPÖ ins Leben gerufen.