Wien ist eine Museumsstadt. Die Albertina, das Kunsthistorische Museum, das Mumok oder das Leopoldmuseum werden von Millionen Besuchern geflutet. Jahr für Jahr verzeichnen sie neue Rekorde. Doch Wien ist nicht nur die Stadt der großen, international bekannten Häuser. Auch abseits der Mega-Ausstellungen und Kunst-Events besteht ein engmaschiges Netz kleiner Museen. Das Rauchfangkehrer-Museum. Das Ziegel-Museum. Das Museum der Illusionen. Und natürlich die Bezirksmuseen.

In jedem der 23 Wiener Bezirke beschäftigt sich ein eigenes Haus mit der Geschichte seiner Umgebung. Es sind kleine, liebevoll verschrobene Refugien. Sie erzählen von der Vergangenheit der Grätzl, von Lokalberühmtheiten, historischen Gebäuden, der Zeit während der Weltkriege, der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs, ihren Bächen und Flüssen, den Gasthäusern und Heurigen, Stadterweiterungen, Eingemeindungen und vielem mehr.

310 engagierte Bürger

- © WZ-Grafik, Wiener Bezirksmusen
© WZ-Grafik, Wiener Bezirksmusen

Sie sind alle unterschiedlich und doch ähnlich. Ihr Schiffholzboden knarzt, ihre Räume sind verwinkelt und voll. Plakatwände, Vitrinen, Gemälde, Karten, Fotos. Eine Nähmaschine aus dem vorvorigen Jahrhundert. Ein Grammophon. Ein Einrad. Ein Revolver. Bezirksmuseen beherbergen Alltagsschätze aus den Bezirken.

Gesammelt, verwaltet, archiviert und ausgestellt werden sie ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern. 310 sind es in ganz Wien. Sie leisten wichtige Arbeit. Sie stehen den rund 80.000 Besuchern pro Jahr mit Rat und Tat zur Seite, unterstützen Studenten, recherchieren auf Anfrage zu bestimmten Häusern, veranstalten Lesungen, Musikabende, Sonderausstellungen. Ihre Museen dienen außerdem als Nachbarschaftszentren. Hier trifft man sich, erfährt gemeinsam Neues über die Geschichte der Nachbarschaft. Bezirksmuseen stiften Identität, sind Ausstellungsraum und Ort der Zivilgesellschaft in einem.

Natürlich können sie nicht mit der Professionalität eines Naturhistorischen oder Heeresgeschichtlichen Museums mithalten. Sie haben keine Kuratoren, Wissenschaftler, Sozial-Media- und Marketingberater im Rücken. Das will die Wiener Stadtregierung nun ein Stück weit ändern. Am Dienstag luden Bürgermeister Michael Ludwig, Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und der Direktor des Wien Museums, Matti Bunzl, zu einer Pressekonferenz ins Bezirksmuseum Hernals.

Verdoppelte Subventionen

Letzterer, weil das Wien Museum in dem Projekt "Bezirksmuseum Reloaded" eine wichtige Rolle spielen wird. Es soll den Museen beratend zur Seite stehen. Dazu wird im Wien Museum eine Stabstelle eingerichtet, an die sich die Bezirksmuseen wenden können, sollten sie Hilfe brauchen – etwa beim Marketing oder in der Administrative. Ludwig betont, dass die Bezirksmuseen ihre Autonomie jedoch keinesfalls verlieren werden. "Entscheidungen über museale Tätigkeiten liegen natürlich weiter bei den Museen selbst." Schließlich will man die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht von oben herab vergraulen.

In der Stabstelle werden drei Kuratoren arbeiten, "die am Ende ihrer universitären Ausbildung stehen", sagt Bunzl. Sie sollen gemeinsam mit den Museen neue Präsentationen zur Geschichte und Kultur der jeweiligen Bezirke entwickeln. Außerdem werden in den nächsten drei Jahren die Subventionen auf 809.000 Euro pro Jahr verdoppelt. Für große Museen wäre das ein Klacks, für die Bezirksmuseen bringt es eine völlig neue Perspektive.