Der Duft von Keksen und Kaffee liegt in der Luft. Auf der Bühne tummelt sich eine Schar von Sechsjährigen. Nervös bohren sie in der Nase, kichern und wippen von einem Bein auf das andere. Sie sind als Bäcker, Engerl und Nikolo verkleidet. Sie grinsen so breit, dass die Zahnlücken hervorblitzen. Das Publikum wartet mit Vorfreude auf die Weihnachtsvorstellung der Volksschulklasse, die heuer ihren ersten Auftritt auf der Bühne hat. Die Aufregung der Erstklässler ist nicht verwunderlich. Denn der Großteil des Publikums ist um über acht Jahrzehnte älter als sie. Anders als die Kinder zieht es sie fast täglich hierher - in den Pensionistenklub Liebknechtgasse in Ottakring. Viele Pensionisten kommen, um nicht allein vor dem Fernseher zu sitzen. Hier treffen sie sich mit anderen, spielen Karten, tratschen und knüpfen Freundschaften.

Beim Arzt abgeworben

Die 84-jährigen Rita H. ist vor zwölf Jahren das erste Mal im Klub gewesen und kommt seither drei Mal pro Woche - am liebsten, um Tarock zu spielen, mit einem Einsatz von zwei Cent. "Wenn keiner zum Kartenspielen da ist, quatschen wir", sagt die lebhafte Frau. Als ihr Mann vor zwölf Jahren an Krebs gestorben und die Tochter an Multipler Sklerose erkrankt ist, hat sie beschlossen, nicht mehr länger alleine zuhause herumzusitzen. "In meinem Alter ist es wirklich ein Vorteil, hierher zu kommen", so die Pensionistin mit grünem Lidschatten. Hier lerne man neue Leute kennen. Eine ihrer Freundinnen ist Eva, die gegenüber auf dem mit Tannenzweigen und einem Weihnachtsstern geschmückten Tisch sitzt. Ein goldener Pappteller mit Weihnachtskeksen steht zwischen den Damen. Eva wurde vor einem Jahr von der redefreudigen Rita bei einem Arztbesuch im Wartezimmer "angeworben" und kommt seitdem auch gelegentlich. Beide sind von der Show der Taferlklassler gerührt und bewundern die künstlerischen Talente der Kinder. "Unglaublich, wie viele Gedichte die sich auswendig gemerkt haben. Die haben ja sicher Monate dafür geübt", sagt Rita.

Männer sterben früher

Zwei jüngere Frauen bedienen die alten Menschen. Es sind die beiden "Klubdamen" - wie sie von den Gästen genannt werden - Elisabeth und Caroline. Sie sorgen dafür, dass sich im Klub alle wohlfühlen. Mit einem warmen Lächeln schenkt Caroline den Besuchern Kaffee ein. "Darfs noch ein Kuchen sein?", fragt sie das Ehepaar Resi und Alois. Die beiden sind dem Angebot nicht abgeneigt.

Resi und Alois sind seit 55 Jahren verheiratet und wohnen wie alle Besucher noch in den eigenen vier Wänden. Zum geselligen Beisammensein kommen sie aber ein bis zwei Mal pro Woche in den Klub. "Wir plaudern immer recht viel und spielen Bauernschnapsen", erzählen sie. Auch bei den organisierten Ausflügen und Festen sind sie gerne dabei. Zu Weihnachten haben sie den Vorteil, nicht alleine zu sein. "Am Heiligen Abend sind wir eingeteilt", sagen sie. Ihre Tochter komme mit dem Enkerl zu ihnen und am nächsten Tag werde dann beim Sohn und dem anderen Enkerl gefeiert. "Am 26. Dezember haben wir dann frei", sagt Resi.