Es ist fast sieben Jahr her, seit sich die Wiener Publizistin Nunu Kaller ein Jahr lang auf Shopping-Diät gesetzt hat - und zwar nicht aus einem ökologischen oder sozialkritischen Hintergrund heraus. Wie aus einer Shopaholic eine kritische Konsumentin wurde, wie sich der Alltag der ehemaligen Greenpeace-Konsumentensprecherin seit ihrer Shopping-Abstinenz gewandelt hat und was Nunu Kaller vom Weihnachtsshopping hält, erzählt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung":Laut Wirtschaftskammer Wien geben die Wiener dieses Jahr 335 Millionen Euro für Weihnachten aus - mehr als zwölf Millionen Weihnachtspackerl landen in Wien unter dem Christbaum. Wie geht es Ihnen, wenn Sie diese Zahlen lesen?

Nunu Kaller: Ich muss ein wenig verzweifelt lachen. Es wird immer verrückter, oder? Und es fühlt sich nach Widerspruch an. Ich merke, je älter meine Freunde und ich werden, desto wichtiger wird uns Zeit und desto unwichtiger wird uns Zeugs. Unsere Zeit ist begrenzt und wird auch nicht länger, wenn wir uns unbegrenzt Zeugs kaufen. Lieber darauf schauen, dass man die Zeit sinnvoll einsetzt, anstelle des Geldes. Wobei, das sollte man natürlich auch sinnvoll einsetzen.

Nunu Kaller ist Publizistin, Umweltaktivistin, Bloggerin und Buchautorin. Diva Shukoor - © Diva Shukoor
Nunu Kaller ist Publizistin, Umweltaktivistin, Bloggerin und Buchautorin. Diva Shukoor - © Diva Shukoor

Sie verzichten freiwillig auf Konsum. Wie funktioniert das - vor allem zu Weihnachten? Schenken Sie nichts und gibt es für Sie ein offizielles Geschenke-Verbot?

Irrtum. Ich habe im Jahr 2012 - schon lange her - für ein Jahr komplett auf den Kauf von Kleidung, Schuhen, Taschen und sonstigem Klimbim verzichtet. Seither kaufe ich zwar wieder, aber viel bewusster: Second Hand oder fair Produziertes. Ich kenne dieses Glück des Kaufmoments sehr gut und kann nur sagen: Je seltener man sich das gibt, desto größer wird es. Mit manchen Freunden hab ich einen Nichtschenkungspakt, ansonsten schaue ich darauf, dass ich entweder Zeit schenke, also gemeinsame Unternehmungen, oder der Bücher. Ohne Bücher geht einfach gar nichts, das muss ich zugeben.

Sie haben sich ein Jahr lang auf Shopping-Diät gesetzt und weder Kleidung, Schmuck noch Taschen gekauft. Wie kam es dazu?

Lustigerweise hatte es nichts mit einem ökologischen oder sozialkritischen Hintergrund zu tun. Ich wollte ganz einfach jemandem beweisen, dass ich stur und konsequent genug sein kann, ein Jahr ohne Shoppen zu schaffen. Doch einfach nur zu verzichten, war mir zu wenig. Darum beschloss ich, das Jahr dazu zu nutzen, mir genau anzuschauen, wo die Sachen in meinem Kleiderschrank eigentlich herkommen. Und da wachte das soziale und ökologische Gewissen in mir auf und ist seither auch noch nicht wieder eingeschlafen. Rückblickend betrachtet war es eigentlich gar nicht schwierig. Im Gegenteil, es war angenehm erleichternd, aus der Trendspirale ausgestiegen zu sein.