Seit Anfang 2019 steht die Ehe auch gleichgeschlechtlichen Paaren offen. In Wien haben seither 150 homosexuelle Paare geheiratet, wie das Rathaus am Montag bekanntgab. Möglich wurde mit Jahresbeginn außerdem, Eingetragene Partnerschaften (EP) in eine Ehe umzuwandeln. Das nahmen bisher 80 Paare in Anspruch.

Mit der Einführung der "Ehe für alle" steht außerdem Heterosexuellen die Eingetragene Partnerschaft offen. Dafür entschieden sich im auslaufenden Jahr sogar 260 Paare.

"Vermutlich erscheint manchen Paaren die Ehe einfach als zu konservativ. Sie wollen diese Form der Institutionalisierung und staatlichen Legitimierung ihrer Beziehung nicht", sagte Familiensoziologin Ulrike Zartler vom Institut für Soziologie der Universität Wien einmal gegenüber der "Wiener Zeitung".

Bedeutende rechtliche Unterschiede zwischen EP und Ehe bestehen nicht mehr. Das liegt auch an der Entstehungsgeschichte der EP, die 2010 eingeführt wurde. Sie sollte der Ehe gleichen, aber nicht Ehe heißen. Damit wollte der Gesetzgeber Homosexuellen eine rechtlich institutionalisierte Partnerschaft ermöglichen, die Ehe aber Mann und Frau vorbehalten.

Zu Beginn gab es noch gröbere Differenzen: So durften nur Ehegatten Kinder adoptieren und eine künstliche Befruchtung durchführen. Die Unterschiede wurden weitgehend durch gerichtliche Entscheidungen beseitigt. Im Jahr 2015 entschied der Verfassungsgerichtshof (VfGH) etwa, dass eingetragene Partner auch fremde Kinder adoptieren dürfen.

Lob der LGBTIQ-Community

Im Dezember 2017 urteilte der VfGH: Die begriffliche Differenzierung zwischen Ehe und EP, ohne dass es gravierende inhaltliche Unterschiede gibt, stellt eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung dar. Er öffnete daher beide Rechtsinstitute für alle Paare ab 2019.

"Der Neujahrstag ist ein besonderer Tag, denn wir feiern ein Jahr Ehe für Alle und zehn Jahre Eingetragene Partnerschaft - zwei Meilensteine im Kampf gegen die Diskriminierung und für die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren", sagt der Antidiskriminierung zuständige Wiener Stadtrat Jürgen Czernohorszky. Diese Erfolge seien auf den jahrelangen Einsatz der LGBTIQ-Community zurückzuführen, die gegen Widerstand die Gleichstellung beim Verfassungsgerichtshof erkämpft hat. "Liebe gewinnt letztlich immer", betont Czernohorszky. "Wien betreibt seit mehr als 20 Jahren konsequente Antidiskriminierungspolitik und setzt umfassende Maßnahmen zur Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, transgender und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTIQs)."