Imagekorrektur: Es ist fast so wie die Fortsetzung eines Spielfilms, der die Zuschauerzahlen in die Höhe jagen und das Publikum überzeugen soll - und das alle Jahre wieder rund um die Weihnachtszeit. Heuer startet die Wirtschaftskammer Wien mit ihrer Industrielehrekampagne, die bis März 2020 läuft, ins 13. Jahr. Zwar ist die Quote keinesfalls bescheiden - derzeit sind um die 1000 Industrielehrlinge in 100 Wiener Ausbildungsstätten beschäftigt -, aber sie könnte laut Experten wesentlich höher sein. Die Krux an der Sache ist das Image.

"Die Industrielehre, das sind vor allem technische Lehrberufe, wird oft mit einem suboptimalen Arbeitsumfeld wie Schmutz und Lärm assoziiert, was jedoch bei den meist hochtechnologischen Arbeiten nicht zutrifft", sagt Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Wien und Geschäftsführer des Meidlinger Traditionsbetrieb EVVA. Mit Kinospots, Schulplakaten und Social-Media-Kampagnen möchte die Wirtschaftkammer das Image der Industrielehre verbessern, Job-Alternativen aufzuzeigen sowie Jugendliche einen Einblick in die Industrielehre ermöglichen. Auf der Website erfolgslehre.at werden Lehrberufe vorgestellt - die Jugendlichen können sich auch auf ausgeschriebene Lehrstellen bewerben.

300 Industrielehrstellen
pro Jahr in Wien

Die Wiener Industrie bildet insgesamt 50 Lehrberufe aus - das ist knapp ein Viertel aller existierenden Lehrberufe in Österreich. Hoch im Kurs stehen die Elektrotechnik, die Mechatronik sowie die Metalltechnik. Nachwuchsprobleme mit einem derzeitigen Lehrlingstand von je einer Person hat die Textilgestaltung, die Sonnenschutztechnik, die Bekleidungsgestaltung, aber auch die Branche der Bautechnischen Zeichner. 300 Lehrstellen werden jedes Jahr in der Wiener Industrie neu besetzt. Der Anteil der Mädchen ist nach wie vor gering: Die Wirtschaftskammer Wien geht von 15 prozentigen Frauenquote aus. "Derzeit arbeiten um die 1000 Industrielehrlinge in 100 Wiener Betrieben. Die Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren leicht gestiegen", kommentiert Spartenobmann Ehrlich-Adám.

Wie viele Lehrlinge in welchen Bereichen fehlen, kann die Wirtschaftskammer nicht genau beziffern. Fakt ist, die höchsten Jobchancen gibt es in den Bereichen Elektrotechnik und Elektronik sowie Metalltechnik und Maschinenbau.

Schauplatzwechsel in die Siemens-Unternehmenszentrale in Floridsdorf, wo derzeit 80 Lehrlinge ausgebildet werden. Zehn Schüler, die bei Siemens ihre berufspraktischen Tage absolvieren, sitzen in der einer der sieben Räume der Lehrwerkstätte in Halle 14 im 2. Stock. "Wer von euch ist hergeschickt worden, wer ist freiwillig da?", fragt Robert Burschitschek, Lehrlingsausbildner für die Bereiche Elektrotechnik und Mechatronik in die Runde. Neun Schüler sind mucksmäuschenstill - nur einer bejaht, dass er sich für den Lehrberuf interessieren würde. "Das tut mir in der Seele weh. Die meisten Jugendlichen haben ein völlig falsches Bild und wissen überhaupt nicht, was den Beruf eigentlich ausmacht. Wenn ich sie frage, antworten viele: ,Da muss ich stemmen.‘ Ja, auch, aber nicht nur." Der elektrotechnische Beruf sei ein boomendes Arbeitsfeld, der sich in viele Teilbereich gliedert. "Das muss man den Jugendlichen vermitteln, dass es mehr ist, als irgendwo Kabel anzuschließen."