Respekt: Gemeinsam Stärker": Unter diesem Titel fungiert ein neues Präventionsprogramm an Wiener Schulen, das am Mittwoch präsentiert wurde. Es soll Schüler, Lehrer und Eltern etwa beim Umgang mit Konflikten unterstützen. Die Initiative wird zunächst in zehn Neuen Mittelschulen gestartet. Sie setzt an einem Standort unter anderem auf eigene Burschen- und Mädchenzimmer.

Das rot-grüne Projekt, für das es auch Unterstützung von der außerschulischen Jugendarbeit geben wird, soll mögliche Probleme wie Mobbing, soziale oder kulturelle Spannungen oder Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung thematisieren. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Theaterprojekte oder auch Workshops, die sich unter anderem dem Umgang mit verletzenden Postings im Internet widmen.

Die Kinder bzw. Jugendlichen sollen bei der Gestaltung des Schulalltags eingebunden werden. In der Neuen Mittelschule am Enkplatz in Simmering gestalten sie zum Beispiel eigene Räume. Solche wird es schon ab Februar geben - wobei Burschen und Mädchen eigene Zimmer erhalten.

Wie Direktorin Martina Vogel-Waldhütter erläuterte, sei der einhellige Wunsch von den Schülerinnen und Schülern gekommen: "Sie wollen diese Räume für sich." Dort gibt es zwar die Möglichkeit für Gespräche mit Betreuungspersonen, prinzipiell soll es jedoch ein Rückzugsbereich werden, in dem kein Unterricht angeboten wird.

Fortbildung auch für Lehrer

Neben der pädagogischen Arbeit mit Schülern wird auch eine Fortbildung für Lehrkräfte angeboten. Sie sollen etwa über Methoden gewaltfreier Kommunikation informiert werden. Auch Eltern werden einbezogen, wie heute versichert wurde - und zwar nicht erst, wenn es Schwierigkeiten mit ihren Kindern gibt, wie es sonst oft üblich sei.

"Mit diesem Programm wollen wir daher alle Schulpartner nach ihren Bedürfnissen unterstützen. Das Ziel: Alle sollen sich einbringen können und gemeinsam eine Schulkultur des gegenseitigen Respekts und der Gleichberechtigung entwickeln", sagte Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky.

1,2 Millionen Euro Kosten

Um zielgerichtet und effektiv unterstützen zu können, wurde an den ersten fünf Pionierschulen der Bedarf von Direktoren, Lehrer und Schüler erhoben. Auf dieser Basis wurden für die einzelnen Schulstandorte maßgeschneiderte Pakete geschnürt, um die schulspezifischen Herausforderungen intensiv zu bearbeiten. Dabei steht die Entwicklung einer nachhaltigen Schulkultur des gegenseitigen Respekts und der Gleichberechtigung im Mittelpunkt, die am Ende in einem Schulleitbild festgeschrieben wird. Damit werden Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit gesichert.

Der Start erfolgt zuerst an fünf Standorten, weitere fünf folgen im Herbstsemester 2020/2021. Gleichzeitig wird evaluiert und geprüft, ob das Projekt großflächiger ausgerollt wird. Die Kosten für das Programm betragen laut Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ), der das Projekt gemeinsam mit Frauenstadträtin Kathrin Gaal (SPÖ), Grünen-Klubobmann David Ellensohn und grünen Frauensprecherin Barbara Huemer präsentierte, 1,2 Millionen Euro.

Das Projekt folgt dem Soforthilfe-Telefon für Lehrkräfte, der Einrichtung einer Bildungsombudsstelle, dem Ausbau der Schulsozialarbeit und dem Einsatz von Schulkooperationsteams. Umgesetzt wird das neue Programm vom Verein Wiener Jugendzentren gemeinsam mit dem unabhängigen Integrationsexperten Kenan Güngör, der Jugendabteilung sowie dem Frauenservice der Stadt Wien, der Bildungsdirektion Wien sowie externen KooperationspartnerInnen aus den Bereichen Mädchen- und Burschenarbeit, Elternarbeit, Gewaltprävention, Zivilcourage sowie Kunst und Kultur, wie es am Donnerstag hieß.