Vor der zehnjährigen Marharyta liegt ihr bisher größter Auftritt: Die junge Weißrussin, die seit zwei Jahren in Österreich lebt, wird am Mittwoch bei der Eröffnung der neuen "Holiday on Ice"-Show (29. Jänner bis 9. Februar) auf dem Eis zeigen, was sie kann. Sie wurde für die Show in Wien im Rahmen der Nachwuchsinitiative "Holiday on Ice Academy" aus mehr als 30 Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren gecastet. Bei den anderen Showterminen ist sie allerdings nicht dabei.

"Wir haben für Mittwochabend eine eigene Choreografie entwickelt", erzählt ihre Trainerin Kerstin Frank, die sie seit eineinhalb Jahren betreut. Vor ihrem Auftritt halten sich bei Marharyta Vorfreude und Nervosität die Waage. Bei "Holiday on Ice" tritt sie in große Fußstapfen, haben bei der Show doch schon viele große Eiskunstläuferinnen mitgemacht, von Ingrid Wendel (zweifache Europameisterin, Vizeweltmeisterin und Olympiadritte in den 1950ern) bis Aljona Savchenko (Olympiasiegerin 2018, sechsfache Welt- und vierfache Europameisterin).

"Dancing on Ice"-Gewinnerin Sarah Lombardi und Olympiateilnehmer Joti Polizoakis treten bei der Vorstellung von "Holiday on Ice" am 1. Februar auf. - © Holiday on Ice/Martin Miseré
"Dancing on Ice"-Gewinnerin Sarah Lombardi und Olympiateilnehmer Joti Polizoakis treten bei der Vorstellung von "Holiday on Ice" am 1. Februar auf. - © Holiday on Ice/Martin Miseré

Wie ihre Zukunft aussehen soll, darüber ist Marharyta noch unschlüssig. "Sie muss sich selbst Ziele setzen, was sie in diesem Sport erreichen will", sagt ihre Trainerin. "Es bringt gar nichts, wenn ich da etwas vorgebe. Ich kann nur planen und schauen, wie weit wir sie in einer gewissen Zeit vorwärts bringen können." Wobei Kerstin Frank schon jetzt "eine wahnsinnige Steigerung binnen eines Jahres" feststellt. Sie hat Marharyta mit einem Repertoire an Einfachsprüngen übernommen, "und jetzt kann sie fast alle Doppelsprünge bis auf den Doppelaxel, da ist also ein enormes Potenzial da". Auch sonst ist die Trainerin von Marharyta begeistert: "Sie ist vor zwei Jahren ohne Deutschkenntnisse nach Wien gekommen und spricht mittlerweile fließend Deutsch."

Die Olympiasiegerin macht mit 17 Jahren ihre erste Pause

Ab 13 Jahren könnte ihr Schützling bei Juniorenbewerben antreten, die bis 19 Jahre limitiert sind, wobei ab 15 Jahren die nach oben offene allgemeine Klasse - vulgo Senioren - beginnt. "Ich habe aber auch kein Problem, wenn sie länger in der untersten Kategorie von 10 bis 15 Jahren bleibt", betont die Trainerin.

Um das Ganze auf Spitzenniveau betreiben zu können, sollte man zwar früh beginnen, "aber man kann nicht jedes Kind über einen Kamm scheren". Manche sind mit drei Jahren schon körperlich so weit wie andere mit fünf. Sie hatte auch schon einen Spätzünder, der erst mit acht Jahren begonnen hat. "Die Kinder müssen auf jeden Fall Spaß daran haben, wenn sie aufs Eis gestellt werden. Wenn sie es selbst nicht wollen, ist es sinnlos." Marharyta begann in Weißrussland mit viereinhalb Jahren mit dem Eissport, ein Jahr später wurde sie von einer Olympiaschule aufgenommen. Und zwar, weil sie es wollte, betont ihre Mutter, "wir haben sie nicht gedrängt".