In der Wiener Klinik Floridsdorf - vormals Krankenhaus Nord - ist in den Patientenzimmern seit jeher auf das Aufhängen von Kreuzen verzichtet worden. Dieser Umstand, über den das ORF-Landesstudio Wien berichtete, führte am Dienstag zu einer politischen Debatte. ÖVP und FPÖ übten teils scharfe Kritik, die man im Bürgermeister-Büro wiederum nicht nachvollziehen konnte.

Laut Spitals-Pflegedirektor Jochen Haidvogel ist der Kreuz-Verzicht in der Klinik Floridsdorf schon in der Planungsphase beschlossen worden. Grund hierfür sei gewesen, dass man durch nur ein religiöses Symbol in den Zimmern keine anderen Konfessionen diskriminieren wollte, sagte Haidvogel gegenüber ORF Wien. Außerdem gebe es auf Ebene drei des Spitals ein Seelsorgezentrum mit einer christlichen Kapelle, einer Moschee und einem jüdischen Gebetsraum. Auf Wunsch kommen die Seelsorgerinnen und Seelsorger auch zu den Patienten ins Zimmer.

Im Krankenanstaltenverbund (KAV) verwies man gegenüber der APA darauf, dass es der Leitung der einzelnen Häuser freistehe, ob Kreuze aufgehängt werden oder nicht. Vor allem an älteren Standorten seien die Zimmer damit ausgestattet. "Und wo sie einmal hängen, nehmen wir sie sicher auch nicht ab", betonte eine Sprecherin. Jede Patientin und jeder Patient, die oder der es wünsche, ein Kreuz in sein Zimmer mitzunehmen, könne dies außerdem selbstverständlich tun.

"Kulturelle Selbstaufgabe"

Während die Erzdiözese ihr "Bedauern" über die Entscheidung ausdrückte, brachte der Kreuz-Verzicht FPÖ und ÖVP auf die Palme. "Das Abnehmen des Kreuzes ist eine kulturelle Selbstaufgabe. SPÖ-Bürgermeister Ludwig unterwirft sich damit endgültig dem Islam", schlussfolgerte Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp. Und er konstatierte: "Muslime, die hier kein Kreuz im Krankenhaus haben wollen, sollen sich in einem islamischen Land behandeln lassen."

Der nicht amtsführende ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch sprach von einer "unverständlichen" Entscheidung: "Das Kreuz ist nicht nur als religiöses Symbol zu sehen, sondern ist ein geistes- und kulturgeschichtliches Symbol Europas." Integrationssprecherin Caroline Hungerländer ergänzte, dass es nicht um das Aufzwingen eines Glaubens oder das Abwerten anderer Religionen gehe. Aber Österreich stehe im Zeichen des christlich-jüdischen Erbes. "Die christliche Tradition dürfen wir auch - oder insbesondere - in einem Krankenhaus nicht ablegen", meinte die ÖVP-Abgeordnete.

Im Büro von Bürgermeister Ludwig konnte man die Aufregung nicht nachvollziehen. Es sei "mehr als verwunderlich", dass die jetzige Aufregung genau von jenen Parteien komme, die am Sonntag Geschäfte aufsperren wollten oder den Karfreitag abgeschafft hätten, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA. In Wien sei die Religionsfreiheit gewährleistet, weshalb Ludwig auch der in der Seestadt projektierte "Campus der Religionen" ein "Herzensanliegen" sei. (apa)