Zwei Stockwerke des Pavillons 14 auf dem Gelände des Krankenhaus Hietzing stehen für die nächsten zwei Jahre der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu Verfügung. Mindestens 800 Patientinnen und Patienten sollen dort bis Ende 2021 versorgt werden. Neben dem Ambulatorium gibt es auch eine Bettenstation und, als Novum, erstmals eine direkt angeschlossene Wohngemeinschaft für Jugendliche. Die erste WG-Gruppe hat ihr Quartier bereits bezogen, bis zum März soll eine weitere folgen.

Erst Anfang des Jahres übte der Stadtrechnungshof heftige Kritik an der Versorgungslage in der Wiener Kinder- und Jugendpsychiatrie. Viel zu wenige Betten führten dazu, dass mehrere hundert Minderjährige in psychiatrischen Abteilungen für Erwachsene aufgenommen werden mussten.

Zahlreiche Mängel

20 Betten werden im KH Hietzing zur Verfügung stehen, dass damit nicht alle Mängel behoben werden, wäre den Betroffenen durchaus bewusst, so Ewald Lochner, Wiens Koordinator für Psychiatrie, Sucht und Drogenfragen, bei einer Pressekonferenz am Montag. Er kündigte an, dass es mittelfristig mindestens sechs Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie geben müsse, wollte sich aber nicht festlegen, bis wann das der Fall sein werde.

Ein weiteres Problemfeld betrifft laut Lochner die Zahl der Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Derzeit gebe es in Wien lediglich sechs solcher Ärzte mit Kassenvertrag. Der Bedarf liegt jedoch laut Lochner zwischen 24 und 30.

Seit 2007 gibt es ein spezielles Ausbildungsprogramm für Ärzte, die in den Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie wollen. Das Interesse daran sei auch durchaus vorhanden, allerdings würden die Absolventinnen und Absolventen dann entweder gleich ins Ausland, allem voran in die Schweiz, wechseln, oder als Wahlärztin, respektive Wahlarzt weiter machen, sagt Lochner.

Der neue Standort im 13. Wiener Gemeindebezirk hat bereits im Dezember des Vorjahres seinen Dienst aufgenommen, derzeit werden dort rund 160 junge Menschen betreut. Ein Team, bestehend aus 24 Experten unterschiedlichster Disziplinen, sorgt für einen reibungslosen Ablauf. "Wir haben Psychiater, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten und diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte vor Ort", sagt Patrick Frottier, ärztlicher Leiter des Ambulatoriums.

Um die Jugendlichen nicht aus ihrem gewohnten schulischen Umfeld zu reißen, wird das Ambulatorium von Montag bis Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet sein. Das sei nicht zuletzt auch mit der Berufstätigkeit der Eltern besser zu vereinbaren, heißt es. Neben dem regulären Betrieb einer Tagesklinik setzt man im KH Hietzing darüber hinaus auf einige Innovationen. So wird unter anderem auch "Home Treatment" angeboten. Das heißt: Mobile Teams kommen zu den Kindern und Jugendlichen nach Hause bzw. in deren gewohnte Lebensumgebung. Zudem gibt es im neuen Ambulatorium auch zwei Psychiater für Erwachsene, die dafür sorgen, dass Jugendliche ab 18 Jahren weiterhin im gewohnten Umfeld betreut werden können.

Ebenfalls neu ist, dass kleine Wohngruppen direkt an das Ambulatorium angeschlossen sind. Die erste Wohngemeinschaft, bestehend aus vier Jugendlichen, ist bereits gestartet, für vier weitere Patienten ist ein entsprechendes Raumangebot vorhanden. In Summe könne die WG auf bis zu 16 Plätze aufgestockt werden, heißt es.

Soul Space und Hunde

Betreut werden die Gruppen im Auftrag der Stadt von der gemeinnützigen Oasis Socialis GmbH. "70 Prozent der Kinder- und Jugendlichen, die in der Ambulanz eine Therapie machen, kommen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe", sagt Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).

Gestaltet wurden die zwei Etagen des Pavillons in warmen, einladenden Farben und großen Gemeinschaftsflächen. "Soul Space" nennt das der ärztliche Leiter Frottier. Darüber hinaus gibt es klassische Therapie- und Gesprächsräume.

Sehr gut angenommen werde die Arbeit mit den beiden Therapiehunden Akiro und Anouk. "Sehr viele der Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, fällt es schwer, wieder Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Therapiehunde helfen uns dabei, in Kontakt zu treten", sagt Ambulatoriumsleiter Frottier.

Das Konzept soll laut Czernohorszky vorerst bis Ende 2021 erprobt und im Erfolgsfall auf die noch ausstehenden Ambulatorien ausgeweitet werden. Nach geeigneten Standorten werde bereits gesucht.