Seit dem Beginn dieser Woche und dem Ende der Semesterferien in Wien und in Ostösterreich sind Schüler und Lehrkräfte der Sir-Karl-Popper-Schule, einer Neuen Mittelschule in Fünfhaus, wieder auf den Unterrichtsalltag fokussiert. Alltag herrscht dort aber keineswegs, das hat aber keine Lerngründe. Vielmehr läuft dort nun eine offen ausgetragene Schlacht um die Mittagsverpflegung der Ganztagesschüler.

Die Fronten stellen sich für die "Wiener Zeitung" so dar: Trotz einer Abstimmung der Eltern für einen alternativen Anbieter kommt dieser seit Schulbeginn im Herbst nicht zum Zug, sondern der reguläre Anbieter der zuständigen früheren Magistratsabteilung 56 (Wiener Schulen). Dessen Menüs werden aber derzeit mit Rückendeckung des Elternvereins aus Protest boykottiert, ein anderer Ersatzanbieter verköstigt vorerst die NMS-Schüler und jene der angrenzenden Volksschule.

Francesca Shorrock, stellvertretende Vorsitzende des Elternvereins und Mutter zweier Kinder in der Volksschule, hält die Vorgangsweise der Verantwortlichen der Wiener Bildungsdirektion, der MA 56 sowie des Wiener Landeselternverbandes für öffentliche Pflichtschulen für "unfassbar". Mit der Fortsetzung der Belieferung der Schule in Fünfhaus durch den bisherigen Lieferanten werde über die Entscheidung der Eltern hinweggegangen. Außerdem sei auf Anfragen zumindest nicht rechtzeitig geantwortet worden. "Das ist ein Wahnsinn", beklagt Shorrock verärgert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Elternverein verweist auf Abstimmung der Eltern

Die Auseinandersetzung führt jetzt sogar dazu, wie sie schildert, dass den Kindern vom bisherigen Lieferanten Teller und Essbesteck für das Essen des derzeitigen Ersatzlieferanten verweigert würden. 120 Menüs müssten außerdem vorerst täglich in den Müll entsorgt werden. Am Dienstag wurden Bolognese mit Spiralen, Zucchinilaibchen und Kuchen geliefert. Ausgeteilt wurden vom Ersatz-Caterer Chicken Wings samt Pommes frites und Salat.

Dass dennoch der von den Eltern abgelehnte Versorger weiter liefert, stöß Shorrock besonders sauer auf, weil es damit auch noch zur Verschwendung von hochwertigen Lebensmitteln und Essen komme. Sie weist vor allem ausdrücklich darauf hin, dass sich die Eltern in der Abstimmung für den etwas teureren Anbieter, einen Familienbetrieb, ausgesprochen haben: "Die Eltern wollten das so." Es werde eine freie Entscheidung suggeriert, die dann so nicht zugelassen werde. Die Verantwortlichen müssten dafür zur Rechenschaft gezogen werden, fordert sie.

Der Vorsitzende des Wiener Elternverbandes an Pflichtschulen, Karl Dwulit, hält diesen Vorwürfen entgegen, den Verantwortlichen bleibe nach den geltenden Bestimmungen gar keine andere Möglichkeit. Der an der Schule bekämpfte Lieferant der Stadt Wien sei zu Recht zum Zug gekommen. Diesem bleibe trotz des Ess-Boykotts in der Schule im 15. Bezirk gar nichts anderes übrig, als nach den Semesterferien weiter zu liefern. Es sei im Auftrag und im Interesse der Stadt Wien, "dass die Lieferung funktioniert", erläutert Dwulit.

Dem Wiener Elternlandesverband kommt dabei die Rolle zu, dass er nach der Entscheidung an den einzelnen Schulen der zuständigen Magistratsabteilung mitteilt, wie viele Menüs pro Standort im jeweils folgenden Schuljahr zu liefern seien.

Grundsätzliche Sonderregelung für die ersten Klassen

Die Entscheidung für den bisherigen Belieferer und gegen den am Schulstandort gewünschten Alternativversorger begründet der Elternverbandsvorsitzende im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" damit, dass aus zwei Gründen das Votum der Eltern nicht zum Tragen kommen konnte. Erste Begründung: Nach seiner Darstellung sei gemäß Vereinsregisterauszug zum fälligen Zeitpunkt der Entscheidung, das war Ende April des Vorjahres, die Elternvereinsführung (Vorsitz oder Stellvertretung) nicht vertretungsbefugt gewesen. Zweite Begründung: Weil die Eltern der ersten Klassen einer Neuen Mittelschule im Jahr davor nicht befragt werden könnten, habe im ersten Schuljahr die automatische Belieferung durch den Lieferanten, der bereits für die MA 56 tätig war, zu erfolgen.

Dagegen wird von Elternvereinsseite ins Treffen geführt, die Umstellung am betroffenen Schulstandort auf eine Ganztagsbetreuung sei anders als in den meisten anderen Wiener Schulen nicht aufsteigend ab der ersten Klasse erfolgt, sondern mit einem Schlag ab dem im September 2019 begonnenen Schuljahres. Dabei sei die Mehrheit der Eltern so eindeutig für den Alternativenlieferanten gewesen, dass auch ein Votum der Eltern der Schüler in der ersten Klasse daran nichts geändert hätte.

Anwalt widerspricht klar der Ansicht des Elternlandeschefs

Unterstützung kommt von juristischer Seite. Anwalt Maximilan Kralik von der Kanzlei Höhne, In der Maur, Partner, der den Elternverein vertritt, zerpflückt die vom Chef des Elternlandesverbandes angeführte Begründung. Die Eintragung ins Vereinsregister habe rein deklaratorischen Charakter: "Über die Gültigkeit der Bestellung eines Vorstandes sagt das Vereinsregister genau nichts aus." Das bedeute, die Elternvereinsführung sei mit der Wahl durch die Mitglieder bestellt, wie Kralik hervorstreicht. Im Klartext für Nicht-Juristen bedeutet das: Im Gegensatz zu Dwulits Position war die Elternvereinsspitze vertretungsbefugt, die Meldung sei damit gültig. Auch das Argument, dass automatisch der Billigstbieter - in dem Fall der jahrelange Geschäftspartner als Lieferant der MA 56 - zum Zug komme, ist für Kralik nicht stichhaltig. Weil es zuvor ein Votum der Eltern gegeben hat.

Hintergrund für die in der Sir-Karl-Popper-Schule offen ausgetragene Schlacht ist der sich generell zuspitzende Kampf um die Schülermenüs. Einer der Gründe dafür ist naturgemäß die wachsende Zahl an Schulen, die Nachmittagsbetreuung und damit auch Mittagsverpflegung anbieten.

Für das heurige Schuljahr haben zwei Anbieter die Kriterien für die Belieferung erfüllt. Schon das führte, wie das Beispiel in Fünfhaus zeigt, zu härteren Bandagen. Für das kommende Schuljahr, für das nun bis Ende April die Entscheidungen fallen müssen, dürften noch bis zu vier weitere Anbieter dazukommen.