Der diese Woche durchgeführte Essboykott von Schulmenüs in der Sir-Karl-Popper-Schule, der Neuen Mittelschule in Fünfhaus, schlägt nach einem Bericht der "Wiener Zeitung" am Mittwoch höhere Wellen bis ins Wiener Rathaus. Die zuständige Abteilung Wiener Schulen, die bisherige Magistratsabteilung 56, kündigte der "Wiener Zeitung" am Freitag an: "Um Lebensmittelverschwendung zu verhindern und eine gesunde Ernährung sicherzustellen, hat die Stadt angeboten, für kommende Woche keine Kosten an die Eltern zu verrechnen und den Kindern das Essen weiterhin bereit zu stellen."

Anlass ist ein Konflikt, weil die Neuen Mittelschule und auch die daneben bestehende Volksschule seit vergangenem Montag die Schulmenüs jenes Lieferanten, der im Auftrag der Stadt Wien 120 Menüs liefert, nicht gegessen haben und aus Protest die Schüler von einem Ersatzlieferanten verköstigen ließen. Dieser Protest ist entstanden, weil sich die Eltern für das heurige Schuljahr für den zweiten, von der Stadt Wien zugelassenen Lieferanten entschieden haben. Der Wien Landeslehrerverband, der für die Essens-Abwicklung zuständig ist, hat dennoch die Eltern-Entscheidung mit der Begründung, das formale Kriterien nicht eigehalten worden seien, ignoriert. Der Schul-Elternverein bekämpft unterstützt von einem Anwalt diese Vorgangsweise und betont, dass ein gültiges Votum für den zweiten Anbieter vorliege.

Neos sehen im Konflikt "keinen Einzelfall"

In der Sir-Karl-Popper-Schule stand am Freitag statt des von der Stadt gelieferten, aber diese Woche boykottierten Schulmenüs Hausgemachtes auf dem Speiseplan. Für die Schüler stand im Rahmen eines Projektes das Kochen auf dem Lehrplan. Inzwischen schlägt der Essboykott und die Haltung der Stadt Wien politische Wellen. Die stelllvertretende Klubchefin der Wiener Neos, Bettina Emmerling, erklärte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass es sich bei dem Konflikt an der Schule in Fünfhaus um "keinen Einzelfall" handle. Sie forderte von der Stadt Wien  und speziell von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ), diese müssten endlich die "Strukturen bei den Essensbestellungen" ändern. Vor allem herrscht Unverständnis über die Einbindung des Wiener Elternlandesverbandes für öffentliche Pflichtschulen in den Bestellvorgang.

Der Bildungsstadtrat wollte öffentlich offenkundig nicht in den Konflikt um die Schulmenüs hineingezogen werden. Einen Rückruf gab es trotz Anfrage aus seinem Büro am Freitag vorerst nicht.

Dafür meldete sich die Abteilung Wiener Schulen (MA 56). Dort sieht man sich insofern zu Unrecht in die Auseinandersetzung hineingezogen, weil dieser vor allem zwischen dem Elternverein an der Schule und der Schulleitung auf der einen und dem Wiener Elternlehrerverband mit Karl Dwulit als Vorsitzendem tobt. Im Zuge eines Gesprächs, das bereits am Donnerstag auch mit NMS-Direktorin Renate Mesender geführt worden sei, sei nochmals dargestellt worden, dass ein Wechsel des Essenslieferanten während des Schuljahres "nicht möglich" sei, ließ die Schulabteilung wissen. Von Elternvereinsseite wird jedoch betont, die Entscheidung der Eltern für den Alternativ-Anbieter sei rechtzeitig bereits für den Schulstart im Herbst 2019 erfolgt

Während nun kommende Woche die Schulmenüs kostenlos angeboten werden, wird versucht, eine Lösung zu finden. Diese soll, so die MA 56, im direkten Gespräch mit den Elternvereinen der Mittelschule und der Volksschule in Fünfhaus für das restliche Semester gesucht werden. "Die Entscheidung über einen Wechsel des Essenanbieters ab September 2020 obliegt natürlich den Eltern der Schulen", teilte die für die Essenslieferung zuständige Abteilung mit.

Vorerst kostenlose Menüs und Suche nach einer Lösung

Der in den vergangenen Tagen boykottierte Anbieter der Schulmenüs sieht sich auch zu Unrecht in den Konflikt hineingezogen. Vor allem sei man nicht dafür verantwortlich, dass zuletzt 120 Menüs pro Tag letztlich im Müll landeten. Man sei aber vertraglich gebunden, trotz des Essboykotts in der Schule, die Menüs zu liefern.

Für Neos-Vizeklubchefin Emmerling ist die Situation nicht mehr hinnehmbar. Sie verweist darauf, dass es neben den zwei bisherigen noch weitere Anbieter gebe, die aber bisher durch Kriterien ausgeschlossen seien. Kleinere Anbieter aus dem Grätzl könnten somit gar nicht zum Zug kommen. Vor allem ist ihr die Rolle des Elternlandesverbandes in dieser Struktur der Essensbestellung unverständlich. Deswegen richtete sie auch an den SPÖ-Bildungsstadtrat, Änderungen vorzunehmen.

NMS-Direktorin Renate Meseneder kann vorerst zu den Vorgängen auf Anfrage der "Wiener Zeitung" nicht Stellung nehmen. Ein Antrag, sich öffentlich äußern zu dürfen, liegt seit dem 4. Februar in der Wiener Bildungsdirektion. Auch dort blieb eine Rückrufbitte am Freitag vorerst ohne Antwort.