Der Vorabend des Wiener Opernballs hat es naturgemäß in sich. Bis spät in die Nacht üben sich die Debütantinnen und Debütanten in Linksdrehungen, am Blumenschmuck wird korrigierend herumgezupft, Tanz- und Gastroflächen bekommen den letzten Schliff. Schließlich sind am Donnerstagabend ja die Augen die Welt auf den Wiener Ringstraßenbau gerichtet. Oder zumindest so ähnlich.

Offiziell steht der Wiener Opernball 2020 unter dem Motto "Die Königin der Nacht", inoffiziell wird er wohl unter "der fehlende Kanzler" in die Geschichte eingehen. Sebastian Kurz ist wegen des EU-Budgetgipfels entschuldigt, sein Stellvertreter, Vizekanzler Werner Kogler, laboriert an den Folgen eines grippalen Infekts. Die Aufgabe, die Republik zu repräsentieren, bleibt somit allein an Bundespräsident Alexander Van der Bellen hängen.

Türkise Minister tanzen

Immerhin erfährt dieser tatkräftige ministerielle Unterstützung, vor allem aus der türkisen Regierungsriege. Angekündigt sind neben Europaministerin Karoline Edtstadler, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Außenminister Alexander Schallenberg und Finanzminister Gernot Blümel, für die Grünen wirft sich Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek in die Ballrobe.

Quasi last Minute hat auch Richard Lugner seine Ballbegleitung gefunden. Nach der Absage des ehemaligen Skistars Lindsey Vonn, mühseligen Verhandlungen mit einem namenlos gebliebenen Ersatzgast, erbarmte sich schließlich die italienische Schauspielerin Ornella Muti des pensionierten Wiener Baumeisters.

Die Wiener Staatsoper bringt mit der Sopranistin Aida Garifullina und dem Tenor Piotr Beczala zwei Stars auf die Bühne, das Wiener Staatsopernorchester wird unter der Leitung von James Conlon spielen. Conlon sprang kurzfristig ein, ursprünglich eingeplant war Stardirigent Daniel Harding. Er sagte aber aufgrund eines schweren Krankheitsfalles in der Familie am Dienstag ab.

Gleichgeschlechtliches Paar

Außergewöhnlich viel mediale Beachtung fand heuer bereits im Vorfeld eines der insgesamt 144 Debütantenpaare. Zwei Frauen aus Deutschland werden als erstes gleichgeschlechtliches Paar in die Geschichte des Opernballs eingehen. Etwaige Bedenken versuchte Staatsoperndirektor Dominique Meyer mit dem Verweis darauf, dass "beide Damen die Kleiderordnung respektieren und Linkswalzer tanzen werden" zu zerstreuen. Den beiden Frauen wurde der Rummel um ihre Person rasch zu viel. "Uns geht es darum, gemeinsam zu tanzen und dabei Spaß zu haben. Alles andere ist für uns irrelevant", erklärten sie.

Die Verantwortung für den Auftritt der Debütanten liegt übrigens bereits zum zweiten Mal in der Hand der oberösterreichischen Tanzschule Santner. Nach Hebefiguren, die dem Jungdamen- und Jungherrenkomitee im Vorjahr abverlangt wurde, müssen die heurigen Teilnehmer sogar singen. Besonders anspruchsvoll dürfte es allerdings nicht werden. Gegeben wird lediglich ein chorales "Lalala" bei der Bauernpolka von Johann Strauß (Sohn).

Meyer geht nach Mailand

Abschied nehmen heißt es am Donnerstag sowohl von Dominique Meyer als auch von Ballorganisatorin Maria Großbauer. Letztere will sich künftig wieder verstärkt ihrer Arbeit als (türkise) Parlamentarierin widmen, Ersteren zieht es mit Ende der Saison an die Mailänder Scala. "Es hat sich in zehn Jahren viel verändert", resümiert Meyer.

Vor allem freut es ihn, dass es gemeinsam mit den Mitarbeitern gelungen wäre, den Opernball als einen Künstlerball zu positionieren. Auf die Frage, ob er dem Opernball auch weiterhin die Treue halte, antwortete der scheidende Hausherr mit einem immerhin ehrlichen "eher nicht". Einen besonderen Abgang hat sich Großbauer ausgedacht: Die studierte Saxofonistin wird, unterstützt von anderen Musikern, kurz vor Mitternacht Duke Elligtons "In a Sentimental Mood" zum besten geben. Der ORF berichtet ab 20.15 Uhr auf ORF 2 über das Society-Spektakel.