Wanda Kuchwalek (1947 - 2004) lebt heute nur noch im Namen einer nach ihr benannten Pop-Gruppe "Wanda" fort. Sonst ist diese einzige Zuhälterin Wiens und einstige Kultfigur der 70er-Jahre im breiten Bewusstsein schon weitgehend vergessen.

Am Wiener "Strich" war die "Wilde Wanda" seinerzeit eine "Respektsperson". Wer den ihrer Meinung nach nicht aufbrachte, bekam nachhaltig ihre "Gummiwurscht", Schlagrute oder manchmal auch ein Messer zu spüren. Das Einsetzen eines "Reißverschlusses" mit einer Klinge im Fleisch des Vis á vis galt damals am Gürtel als gängige Dialog-Methode in der Zuhälter-Branche.

Wanda wurde in triste Verhältnisse einer Zirkusfamilie geboren. Ihre Jugend verbrachte sie in Wiener Heimen, die Menschen kaum besser machten und traumatisierten. Auch sie wurde von "Erzieherinnen" schwerst missbraucht.

Mit 18 lernte die lesbische Wanda den einzigen Mann ihres Lebens kennen, dem sie vertrauen sollte; ihren Anwalt Herbert Eichenseder. Damals, 1965, hatte sie bereits ein langes Strafregister. Am Schluss sollte es sich auf 25 Vorstrafen belaufen.

Meistens ging es um Körperverletzung und Delikte im Prostitutionsmilieu, wie Revierkämpfe. Denn für Wandas Lebensunterhalt hatten andere Frauen zu sorgen, die für sie auf den Strich gingen. Eine davon, Christa K., war eine ergebene Lebensfreundin. Die versorgte Wanda auch noch treu während Gefängnisaufenthalten. K. pflegte bis zum eigenen Tod auch noch Wandas Grab. Dass die "Wilde Wanda" ihr einst im Zuge einer Meinungsverschiedenheit mit einem Stanley-Messer das Gesicht mit einem Muster versehen hatte, tat der Lebens-Liebe offenbar keinen Abbruch.

Für Anwalt Eichenseder war Wanda jedenfalls "eine hochintelligente Frau". Sie habe "immer sofort verstanden, worum es geht. Aus Anwaltssicht ein Vergnügen mit so jemandem zu arbeiten."

In Eichenseders Besitz findet sich auch noch ein handgeschriebener Brief, den er der "Wiener Zeitung" zur Verfügung stellte, Er besticht in Form und Stil. "Es war eine Zeit, da war sie ja weniger bei mir in der Kanzlei, als ich bei ihr", umschreibt der Anwalt schmunzelnd den Begegnungsort im Gefängnis.

Dort hat Wanda einmal auch mit den Behörden kooperiert: Als im Frauengefängnis Schwarzau die ebenfalls dort einsitzende RAF-Terroristin Waltraud Boock in Hungerstreik trat, gab sich Kuchwalek für eine "österreichische Lösung" her. Man legte die zwei Frauen zusammen und Kuchwalek hatte den Auftrag, soviel sie nur konnte zu essen. "Nach dem vierten Henderl hat die Deutsche den Hungerstreik abgebrochen", erzählt Eichenseder lachend. 1972 zeigte sich Kuchwalek noch in anderer Form kooperativ mit der Justizwache: Sie verführte zwei Wachbeamtinnen. Das brachte Wanda wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch mehrere Jahre ein.

Alkohol tat in ihrem Leben sein Übriges: Einmal kehrte die Kuchwalek von der Feldarbeit vor dem Gefängnis nicht in die Anstalt zurück. Alle Alarmglocken läuteten, ein Ausbruch wurde befürchtet. Dabei war Wanda nur einfach am Feld alkoholisiert eingeschlafen. Befreundete Komplicen hatten für sie in den Ackerfurchen zwei Flaschen Rum versteckt.

Einmal musste Wanda bei einem Strafprozess dringend "aufs Klo" Danach wirkte sie sichtlich "verändert", erzählt Eichenseder. Es stellte sich heraus, dass jemand am WC eine Flasche Rum bereit gestellt hatte. Die wurde von Wanda zur Beruhigung gekippt. Das war übrigens jener Tag, an dem ihr Anwalt einmal einen Freispruch erreichen konnte.