Der Streit ums Schulessen an der Wiener Sir Karl Popperschule geht in die dritte Woche. Am Dienstag soll dem Vernehmen nach ein weiterer Termin zwischen Schule und Behörde stattfinden.

Protestiert wird deshalb, weil die Schüler der Volksschule und der Neuen Mittelschule nicht das vom Elternverein gewünschte Schulessen von Max-Catering bekommen, sondern - aufgrund eines "Formfehlers" - das des einzigen Mitbewerbers und aktuellen Platzhirschen Gourmet.

Die Eltern der Popper-Schule sind nicht die Ersten, die sich echauffieren. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass Elternvereine schon seit Jahren über derartige Probleme zu berichten wissen. Im Sommer des Vorjahres wandten sich schließlich sogar zwei Schuldirektoren an die Öffentlichkeit. Auch sie berichteten von Fällen, in denen der von den Schulen bestimmte Essenslieferant gegen den anderen Anbieter ausgetauscht wurde - und das, ohne die betroffenen Schulen darüber zu informieren.

Auffällig ist, dass immer Gourmet zum Zug kommt. Die Begründung der Stadt: Gourmet ist mit 23 Cent weniger pro Essen der günstigere Anbieter. Mittlerweile ist auch auf politischer Ebene Feuer am Dach. Die Rathaus-Opposition wittert Freunderlwirtschaft und fordert Konsequenzen. Vorschriften sollen gelockert werden, um es auch kleineren Anbietern möglich zu machen, an die lukrativen Aufträge zu kommen. Kritisiert wird darüber hinaus die rigorose Administration der Schulanträge. Hinter vorgehaltenen Hand ist von "Wortklauberei" die Rede.

SPÖ-naher Verein

Um zu verstehen, worum es in diesem Streit geht, muss man ins Jahr 2005 zurückgehen. Damals beschloss der Gemeinderat (übrigens einstimmig) die Neuorganisation der Mittagsverpflegung an ganztägig geführten öffentlichen Pflichtschulen. Bis zu diesem Zeitpunkt entschied das die Stadt im Alleingang, Exklusiv-Lieferant war Gourmet. Im Sitzungsprotokoll vom 27.01.2005 ist vermerkt, dass begleitend dazu eine Vereinbarung mit dem Landesverband Wien der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen, kurz LandesElternVerbandWien, noch kürzer LEVW, abgeschlossen wird. Pikanterie am Rande: Der Text dieser Vereinbarung wurde den Protokollen nicht beigelegt und ist deshalb auch nicht auf der städtischen Informationsdatenbank "Infodat" abrufbar.

Und das wiederum ist insofern bemerkenswert, als dass es exakt dieser - dem Vernehmen nach SPÖ-nahe Verein - ist, der Elternvereine seither mit seiner i-Tüpferl-Reiterei zur Verzweiflung bringt. Karl Dwulit, Vorsitzender des LEVW, sieht das anders: "Das Verfahren ist transparent, die Autonomie der Schulen steht außer Frage." Er räumt aber auch ein, dass der LEVW, infolge fehlerhafter Anmeldungen, "ein gutes Dutzend" Essenslieferaufträge pro Jahr in Eigenregie erteile.

Das "Verfahren", wie Dwulit es nennt, beginnt bereits im Jänner für das nächste Schuljahr. Es gibt eine Verkostung in den Schulen, bis exakt Ende April haben die Schulen dann Zeit, sich für einen der beiden Anbieter zu entscheiden. Eine verspätete Abgabe wird nicht akzeptiert, in dem Moment kommt automatisch Gourmet zum Zug. Zudem kontrolliert der auf ehrenamtlicher Basis für die Stadt arbeitende Verein offenbar auch die Vereinsregisterauszüge. Ist auch nur ein Name des dort angeführten Vorstands des Elternvereins nicht deckungsgleich mit den Antragstellern, wird das Papier für nichtig erklärt und Gourmet kommt zum Zug. Damit nicht genug, hat auch die Stadt Wien mit dem "Kriterienkatalog zur Listung von Lieferanten für die Schulverpflegung an ganztägig geführten öffentlichen Wiener Pflichtschulen" das Ihre dazu beigetragen, dass sich die Zahl der potenziellen Interessenten in überschaubaren Grenzen hält.

So etwa besteht man nicht nur auf zahlreiche Zertifizierungen (samt jährlicher Erneuerungen), sondern auch auf eine Vielzahl weiterer Auflagen, die betriebsintern eine eigens damit befasste Abteilung voraussetzen. Die Stadt verlangt darüber hinaus, dass potenzielle Interessenten "die Verpflegung von zumindest 10.000 Schüler im Alter zwischen sechs und 15 Jahren mit täglichem Mittagessen in "Cook&Chill" oder "Cook&Freeze-Technologie (also aufwärmen oder auftauen) innerhalb der letzten drei Jahre für zumindest zwölf Monate erbracht haben müssen."

Aus dem Büro des zuständigen Stadtrats Czernohorszky heißt es, dass die Mitsprachemöglichkeit der Eltern beim Essensanbieter ein wichtiger Schritt gewesen wäre, der nicht rückgängig gemacht werden sollte. Man erwarte sich von allen Beteiligten eine "gute, gemeinsame Lösung".