Jaron Engelmayer wird der neue Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der orthodoxe israelisch-schweizerische 43-Jährige wurde am Montag einstimmig vom Kultusvorstand bestellt. Mit August wird er seinen Dienst als Gemeinderabbiner in Wien beginnen, einen Monat später wird er Oberrabbiner und damit Arie Folger nachfolgen, der im Sommer 2019 gekündigt hatte.

Engelmayer war bereits Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Köln, davor Gemeinderabbiner in Aachen, ehe er sich entschied, nach Israel zu gehen. Dort lebte er in den vergangenen Jahren mit seiner Familie. Seiner Bestellung ging ein mehrmonatiger internationaler Auswahlprozess durch die Rabbinerfindungskommission voran. Sie wählte aus sechs qualifizierten Bewerbungen drei Kandidaten aus. Nach Hearings mit ihnen in Wien empfahl die Kommission einstimmig Engelmayer.

Schon Engelmayers Großvater war Rabbiner. Er selbst sei in der Schweiz zionistisch, aber gleichzeitig sehr weltoffen erzogen worden, sagt er. Bevor er im Herbst 2005 seine Tätigkeit in Aachen antrat, arbeitete er bei der Ronald S. Lauder Foundation in Frankfurt am Main, wo er auch seine Frau Chana kennenlernte, die als Kind als Kontingentflüchtling aus Tadschikistan nach Deutschland kam. Gemeinsam haben sie vier Kinder. Engelmayer spricht Hebräisch, Englisch, Deutsch, Jiddisch, Italienisch, Russisch und Französisch.

Engelmayer wird nun Arie Folger beerben, der erst im Dezember 2015 zum Rabbiner bestellt worden war, nachdem Paul Chaim Eisenberg nach 33 Jahren als Oberrabbiner in Pension gegangen war. Der Wechsel vom liberalen Eisenberg zum konservativen Folger stellte sich als großer Bruch  in der Gemeinde dar. Offenbar zu groß. Folger trat nach nur kurzer Zeit im Vorjahr zurück. (sir/apa)