In der Gourmet-Zentrale im 23. Bezirk ist die Stimmung seit einigen Wochen getrübt. "Ich bin alles andere als glücklich darüber, wie derzeit in den Medien über uns berichtet wird", sagt Claudia Ertl-Huemer, Geschäftsfeldleiterin Education & Care Catering bei Gourmet. Der Vorwurf lautet nämlich: Der Kriterienkatalog der Stadt Wien, ausschlaggebend für die Vergabe der Schulessen, sei auf den Essensanbieter zugeschnitten.

Claudia Ertl-Huemer, Gourmet-Bereichsleiterin für die Verpflegung von Schulen und Kindergärten. - © Petra Rautenstrauch
Claudia Ertl-Huemer, Gourmet-Bereichsleiterin für die Verpflegung von Schulen und Kindergärten. - © Petra Rautenstrauch

"Was in dieser ganzen Diskussion zu kurz kommt, ist, dass es in erster Linie um das Wohl der Kinder gehen muss. Und um Verantwortung. Es kann sich nicht jeder einfach hinstellen und sagen: Ich koche jetzt für Kinder. Das ist eine unglaublich sensible Materie, da gilt es zig Kriterien zu erfüllen", so Ertl-Huemer.

In quasi aller Munde ist Gourmet derzeit aufgrund eines Streits zwischen dem Elternverein der Wiener Sir Karl Popper-Schule und dem, die Interessen der Stadt Wien vertretenden, LandesElternVerbandWien (LEVW). Es geht um eine laut Popper-Schule eigenmächtige Entscheidung des LEVW bei der Auftragsvergabe der Mittagsverpflegung. Die Schule hatte sich für das Schuljahr 2019/20 für Max-Catering entschieden, der LEVW hat aufgrund eines "Formfehlers" den Wunsch der Elternvertreter ignoriert und dem preislich etwas günstigeren Gemeinschaftsverpfleger Gourmet den Auftrag erteilt. Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, ist diese Vorgehensweise kein Einzelfall. Seit Jahren schon laufen Eltern gegen diese vermeintliche "Bevormundung durch den LEVW" Sturm.

Die Gerüchtebörse kolportiert indes Freunderlwirtschaft und redet von Absprachen, bei Gourmet reagiert man ob dieser Vorwürfe entsetzt: "Es ist mir wirklich unbegreiflich, wie man auf derartige Unterstellungen kommt", sagt Ertl-Huemer.. Es gebe einen klar formulierten Kriterienkatalog der Stadt Wien, den man erfülle. Darüber, wie viele öffentlichen Wiener Ganztagsschulen sich für Gourmet entschieden hätten, würde man Ende Juni vom LEVW in Kenntnis gesetzt werden.

80.000 Portionen täglich

Über 30 Prozent des Nettoumsatzes von 155 Millionen Euro erwirtschaftet Gourmet im Bereich Schul- bzw. Kindergartenessen. Beliefert werden nicht nur Wiener Schulen, sondern auch andere Bildungseinrichtungen, unter anderem in Linz und Salzburg. So kommt man österreichweit auf 2700 betreute Schulen und Kindergärten, was beachtlichen 80.000 Essensportionen täglich entspricht. Keinesfalls mehr als vier Euro darf ein "ausgewogenes, biologisches und gesundes" Essen kosten, das wäre ihr wichtig, sagt Ertl-Huemer: "Essen muss leistbar bleiben." Preisvorteile, die man sich aufgrund seiner langjährigen Erfahrung sichern konnte, würden 1:1 an die Konsumenten weitergegeben werden. "Warum das jetzt als negativ hingestellt wird, dass wir der günstigere der beiden Anbieter sind, verstehe ich nicht", sagt Ertl-Huemer.

In der aktuellen Causa, also im Fall der Popper--Volksschule und Neuen Mittelschule wären Gourmet jedoch "die Hände gebunden": "Wir haben bis zum Schulschluss einen bestehenden Vertrag zu erfüllen."

Dass Verträge nur für den Zeitraum eines Schuljahres abgeschlossen werden können, liege wiederum daran, dass der Aufwand, der mit einem derartigen Auftrag verbunden ist, enorm wäre. Was sie besonders ärgert: "Den Kindern schmeckt unser Essen ja, auch die Eltern kritisieren nicht die Qualität unserer Speisen." Wegen "juristischer Spitzfindigkeiten" jetzt zur Zielscheibe ungerechtfertigter Kritik zu werden, sei "ganz besonders bitter".

Gourmet beschäftigt an seinen beiden Standorten in Wien und St. Pölten rund 1500 Mitarbeiter. Der Gemeinschaftsverpfleger ist ein Tochterunternehmen der Vivatis Holding AG. Diese wiederum befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich.