Die Stadt Wien will für mehr Abkühlung in den innerstädtischen Zonen sorgen. Die ehemalige, denkmalgeschützte Kaiserbadschleuse am Donaukanal soll begrünt werden und künftig als eine neue "Chill-Area" zur kostenlosen Nutzung mitten in der Stadt dienen. Zugleich wird die Kühlluftschneise am Donaukanal verstärkt, die bei sommerlichen Hitzeperioden für ein kühleres Stadtklima sorgt.

Vorbild der Initiative sind die schwimmenden Gärten auf der Seine in Paris. "Ich freue mich, dass wir das Projekt endlich umsetzen können. Wir schaffen, im Gegensatz zu anderen Bundesändern, ganz bewusst weitere Freiflächen direkt am Wasser, an denen nicht konsumiert werden muss, sondern an denen man sich einfach entspannen kann", so Initiatorin und Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Jahrelange Verzögerung

Dem Plan, die ehemalige Kaiserbadschleuse zu begrünen und für die Menschen nutzbar zu machen, ging eine langjährige Blockade durch einen Ex-Pächter voraus. Der Unternehmer, übrigens auch Ex-Pächter der ehemaligen CopaKagrana, heute CopaBeach, nutzte die Fläche am Donaukanal zwar nicht, blockierte aber dennoch jegliche Neugestaltung. Nun sind aber alle rechtlichen Fragen gelöst und das Projekt "schwimmende Gärten" kann noch heuer in starten. Die Fertigstellung ist für den Spätsommer geplant.

Die Umgestaltung der historischen Anlage sieht großzügige Überplattungen vor, die eine neue Verbindung zwischen Donaukanal-Promenade und Kaiserbadschleuse schaffen sollen. Diese müssen den strengen Sicherheitsauflagen entsprechend ausgestaltet werden und sind dementsprechend aufwendig, so Sima. Darüber hinaus steht die Schleuse unter Deckmalschutz, was ebenfalls eine große Herausforderung für eine Nutzbarmachung darstelle. Ziel ist die Schaffung von großzügigen Holzdecks, moderne Bepflanzung und Sitzmöglichkeiten direkt am Wasser.

Entsiegelungen geplant

Da gerade in diesem Abschnitt des Donaukanals kaum Grün-, dafür aber umso mehr Betonflächen das Stadtbild prägen, sind zahlreiche Vorarbeiten notwendig. Geplant sind große Pflanztröge, die mit Stauden, Gräserpflanzungen, Großsträuchern und auch Bäumen bestückt werden sollen. Um das Cooling zu gewährleisten, sind Entsiegelungen von betonierten Flächen am Donaukanal und im Bereich der Schleuse vorgesehen. Dadurch und durch die geplante Begrünung wird der einströmenden Luftstrom von Donau und Donaukanal gefördert und beschleunigt.

Die Stadt Wien hat in den vergangenen Jahren an vielen Flächen Erholungsräume direkt am Wasser geschaffen, wie etwa am CopaBeach oder auch im Bereich des Arbeiterstrandbads. "Wir öffnen Flächen am Wasser und schaffen so attraktive Flächen zur kostenlosen Nutzung. Das trägt zur hohen Lebensqualität in unserer Stadt bei", so Sima.

Historisches Ensemble

Die historische Wehranlage befindet sich im Bereich der U-Bahn-Station Schottenring. Sie wurde zwischen 1904 und 1908 erbaut, wobei die Wehrkonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg großteils abgerissen wurde. Die Staustufe Kaiserbad war die einzige der ursprünglich drei geplanten Staustufen des Donaukanals.

Der Name bezieht sich laut Rathaus auf das ehemalige Kaiserbad, das sich ursprünglich an dieser Stelle befand und 1899 abgerissen wurde. Die Wehr Kaiserbad war bis 1945 in Betrieb. Am Ende des Weltkrieges wurde die Wehranlage zerstört. Teile der Kammerschleuse sowie die Schleuseninsel bestehen bis heute und werden nun im Zuge des Projekts "Schwimmende Gärten" begehbar und nutzbar gemacht.

Insgesamt werden künftig 1484 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen.