Wie oft waren Sie dieses Jahr auf einem Ball? Vielleicht ein-, zweimal? Wenn überhaupt, denken Sie nur von November bis Aschermittwoch an Tanzveranstaltungen? Darüber könnte Yvonne Rueff nur milde lächeln. Das große Gewalze mag zwar für die meisten vorbei sein, für die Tanzschulbesitzerin ist aber an 365 Tagen im Jahr Ballsaison. Denn so lange arbeiten Rueff und mehr als 100 freiwillige Helfer mit viel Zeit, Schweiß und Herzblut am Gelingen des "Dancer Against Cancer" Balls zugunsten der Krebshilfe Wien.

Das wohltätige Engagement hat einen traurigen Hintergrund. Yvonne Rueffs enge Freundin Nathalie Urrisk verstarb 2006 an Krebs. "Das hat uns alle zutiefst erschüttert. Ihr zu Ehren haben wir unseren Tanzschulball umgewidmet und mit dem Spendensammeln für die Krebshilfe begonnen", erinnert sich Rueff im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Aus nicht einmal 20.000 Euro beim ersten Ball wurden schon mehr als 100.000 Euro an Spenden für die vergangenen Ausgaben, was den Ball zu einem Charity-Schwergewicht macht.

Rueff ist aber keine Rekordjägerin "Wichtig ist es, zumindest 50.000 Euro pro Jahr zu sammeln. Damit können wir ein Projekt der Krebshilfe ein Jahr lang fördern", erklärt sie. Für das Jahr 2020 erfährt das Projekt "Zurück ins Leben", welches Krebspatienten beruflich und privat nach der Behandlung betreut, diese Unterstützung.

Eine Million Euro für den guten Zweck

Der hinter dem Ball stehende Verein "MyAid" legt großen Wert darauf, auf alle Facetten von Krebserkrankungen aufmerksam zu machen. Das symbolisiert auch das Lila Band in Abgrenzung beispielsweise zum "Pink Ribbon" der Brustkrebsvorsorge. "Viele Krebsarten werden unterschätzt. Nathalie starb an Hautkrebs. Anfangs dachten wir alle, dass es nicht so schlimm und in einem halben Jahr vorbei sei. Das war es dann auch - aber nicht, wie wir es uns erhofft hatten", erzählt Rueff dazu betrübt. Die 14. Ausgabe des Charity-Balls am 7. März steht dieses Jahr übrigens unter einem ganz besonderen Stern. "Wenn wir alle Spenden seit Beginn zusammenzählen, knacken wir dieses Jahr die Eine-Million-Euro Marke", so Ballmutter Rueff stolz. Diesen Erfolg habe sie vor allem den vielen Freiwilligen zu verdanken. "Aber auch viele Sponsoren unterstützen uns und selbst die Hofburg als Veranstalter kommt uns entgegen", sagt sie.

Neben Spenden erhält Rueff auch viele Sachleistungen: von Catering über Tombolapreise, gratis Showeinlagen der Gruppe Dance Lab und einer Modenschau der Kärntner Designerin Dali Oleschko bis hin zu Essen und Getränken für das große Katerfrühstück zum Ballende. Dort beginnt sie übrigens schon mit Sponsoren für den kommenden Ball zu verhandeln.

"Nach dem Ball ist vor dem Ball und in der lockeren Atmosphäre erreicht man oft mehr als auf Meetings", meint Rueff dazu. Auch die zahlreichen internationalen Prominenten, die den Ball jährlich besuchen und ihm besonderes Prestige verleihen, kommen unentgeltlich. Darunter waren auch Größen wie Schauspielerin Fran Drescher, Ruth McCartney oder Madeline Zima. Heuer beehren unter anderem Hollywood-Star Natasha Henstridge ("Species") und der kleinwüchsige Schauspieler Kyle Pacek ("The Mandalorian") den Ball. Darüber hinaus wird jährlich der MyAid-Award für Engagement und Vorbildwirkung gegen Krebs vergeben.

Promis als Showeinlage
am Parkett

Diesjährige Preisträgerin ist das Model Laura Bräutigam. Sie hat nach einer Karriereunterbrechung aufgrund ihrer Krebsdiagnose und dem Verlust ihrer Haare ein Vorbild für den selbstbewussten Umgang mit der Erkrankung gegeben. Auch einige heimische Promis sorgen mit viel Fleiß und vor allem Schweiß für das Highlight des Balls: das Promi-Tanzturnier. Dabei treten Ärztin Kristina Worseg, Kabarettistin Ulrike Kriegler, Model Liliana Klein, Profitänzerin Roswitha Wieland und Bezirksblatt-Reporter Thomas Netopilik unter den Augen einer strengen Jury gegeneinander an. Diese besteht unter anderem aus Juror Hannes Nedbal nebst Gattin sowie Starfotograf Manfred Baumann und seiner Ehefrau. "Die Tanzpaare haben sich seit Monaten auf den Abend vorbereitet", betont Rueff.

Die Idee für das Promi-Tanzturnier kam laut Yvonne Rueff vor 14 Jahren spontan. "Wir haben etwas gesucht, um den Ball auch medial attraktiver zu machen. Zufälligerweise hatte im gleichen Jahr ,Dancing Stars‘ im ORF gestartet - wir dachten uns: ,Das können wir auch‘", sagt sie. In Anlehnung an das TV-Format küren daher neben der Jury auch die Ballgäste per Telefonvoting die Sieger. Jeder Anruf ist dabei gleichzeitig eine kleine Spende.

In der Riege der vergangenen Gewinne tummeln sich Größen wie Entertainer Klaus Eberhartinger und "Kernölamazone" Caroline Athanasiadis. Neben den Paartänzen darf auch die alljährliche Gruppenchoreografie nicht fehlen. "Die ist ideal für alle, die nicht genug Zeit für das intensive Paartraining haben, aber unbedingt mitmachen wollen", so Rueff. Promis wie Heribert Kaspar, Shlomit Butbul, Nikolaus Fortell und Ingrid Thiem können ihren großen Auftritt kaum erwarten. Die Choreographien stehen übrigens jedes Jahr unter einem anderen Motto wie Tanz der Vampire, Beatles oder heuer "The Greatest Showman". Ausgefallene Kostüme inklusive, die aus den Stars teilweise ganz andere Menschen machen "Bei der Beatles-Einlage hatten damals alle Pilzkopf-Perücken auf. Andy Lee Lang war auf einmal nicht mehr wiederzuerkennen", erzählt Rueff lachend.

Emanzipation in die Bundesländer

"Dancer Against Cancer" ist längst nicht nur ein Ball, sondern eine eigene Charity-Marke geworden. Das ganze Jahr über wird mit Kinobesuchen, Modenschauen, Fotoshootings und anderen Events für den guten Zweck gesammelt.Darüber hinaus haben sich bereits zwei weitere "Dancer Against Cancer"-Ableger vom Ball in Wien emanzipiert. "Wir feiern schon die fünfte Ausgabe des Niederösterreichischen Balls im Casino Baden und den dritten Ball im Linzer Palais Kaufmännischer Verein", erzählt Rueff.

Vor allem von Letzterem schwärmt sie, das Palais sei wie eine kleine Hofburg. "Mittlerweile haben wir auch Angebote für weitere Events aus Graz, wo sie ,Dancer Against Cancer‘ mit einem bestehenden Ball koppeln wollen, und aus dem Burgenland", freut sich Rueff. Sie hofft, dass sich eines Tages in jedem Bundesland "Dancer Against Cancer"-Veranstaltungen etablieren werden. Dabei sei es egal, ob Ball oder nicht. "Es kommt immer darauf an, was in den Bundesländern am besten funktioniert. Deswegen gibt es beispielsweise in Baden eine Modenschau statt eines Tanzturniers", erklärt sie. Das liege einerseits daran, dass Designer Emanuel Burger den Ball organisiert, andererseits komme die Modenschau bei den niederösterreichischen Besuchern besser an. Wichtig sei es aber, dass es keine einmaligen Events seien. "Die Veranstaltungen sollen keine Pop-ups, sondern Institutionen werden", meint Rueff dazu.

Der "Dancer Against Cancer"-Frühlingsball zugunsten der Wiener Krebshilfe findet am 7. März in der Hofburg statt. Für alle Tanzbegeisterten und Unentschlossenen: Karten sind auch an der Abendkassa verfügbar.