Die Stadt Wien hat am Dienstag Maßnahmen bekannt gegeben, um die städtische Spitalsinfrastruktur angesichts der Covid-19-Epedemie besonders zu schützen. So soll der Lehr- und Unterrichtsbetrieb inklusive des Universitätsbetriebs in den Krankenhäusern "massiv reduziert" werden, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Die Wiener Spitäler seien in der Coronavirus-Krise "unsere wertvollste Struktur", diese gelte es zu beschützen, so der Ressortchef. Die Entwicklung in Italien demonstriere, wie Covid-19 den Spitalsbereich an seine Grenzen bringen kann, begründete der Stadtrat die Maßnahmen.

Die Krankenhäuser und ihre Mitarbeiter sollen sich auf ihre Kernaufgabe, die Behandlung kranker Menschen, konzentrieren können. Auch der Lehrbetrieb der Krankenpflegeschulen werde daher bis auf weiteres so weit wie möglich aus den Spitälern draußen gehalten. Einen Aufruf - noch kein Ge- oder Verbot, wie Hacker betonte - betraf die städtischen Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen. In beiden Bereichen sei es nötig, die Besuche nunmehr "auf das Wesentliche zu reduzieren". Mehr als 20.000 Senioren sind in Wiener Pflegeheimen untergebracht.

Rund 100 positive Fälle in NÖ und Wien

Derzeit gebe es in Wien und Niederösterreich zusammen "rund 100" positiv getestete Fälle, sagte Hacker weiters, etwa 45 in der Bundeshauptstadt und rund 40 im Umland. In Wien seien es mit Dienstagfrüh 35 bestätigte und acht weitere Fälle mit positivem Vorbefund gewesen, erläuterte die stellvertretende Landessanitätsdirektorin Ursula Karnthaler. Beim allergrößten Teil, aber nicht mehr bei allen könne die Ansteckung auf die Quelle, den Patienten 0, zurückgeführt werden.

Acht Infizierte in SMZ Ost

Im Donauspital - das Sozialmedizinische Zentrum (SMZ) Ost ist nach dem AKH das zweitgrößte Spital in der Bundeshauptstadt - gibt es acht Infektionen mit SARS-CoV-2. Das teilte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) im Rahmen einer Pressekonferenz mit. Demnach hat eine stationär aufgenommene Patientin, die zunächst keine Symptome zeigte, Patientinnen und Spitalsmitarbeiter infiziert.

Sechs bis sieben Ansteckungsherde in Wien

Im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise sind den Behörden in der Bundeshauptstadt sechs bis sieben Ansteckungsherde mit einem direkten Bezug zu Italien bekannt, so Hacker.

Demnach dürften sich mehrere Personen bei Reisen nach Italien mit SARS-CoV-2 infiziert und das Virus nach Wien eingeschleppt haben. Allerdings lässt sich bei den Wiener Fällen - offiziell sind aktuell 35 Infektionen bestätigt, bei acht Patienten gibt es einen positiven Vorbefund - inzwischen nicht mehr bei allen rekonstruieren, wo diese ihren Ausgang genommen haben.

Schulen ziehen Ärzte ab

Die Stadt Wien zieht ab heute, Dienstag, wegen des Coronavirus Schulärzte von den Pflichtschulen ab. In einem Mail des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien an die Leitungen von Wiener Schulen wird die Maßnahme mit der "Notwendigkeit einer personellen Verstärkung zur Bearbeitung der Coronavirusproblematik" begründet. Insgesamt sind knapp 70 Schulärzte an den mehr als 400 Pflichtschulen im Einsatz.

Die Schulärzte haben eine Dienstweisung erhalten, wonach sie ihren Dienst nunmehr in den Bezirksgesundheitsämtern zu versehen haben, wie eine Betroffene erzählt. Sie sollen dort den diensthabenden Amtsärzten mit ärztlichen Diensten zur Seite stehen. Was genau dort allerdings ihre Aufgaben dort sein werde, sei aus dem Schreiben nicht hervorgegangen. (apa)