Krisen bringen das Beste und Schlechteste im Menschen zum Vorschein. Da wären etwa jene, die sich seit Donnerstag in rücksichtslose Hamsterkäufe ergehen. In Österreich ist es in den letzten Einkaufstagen zum gewohnten Anblick geworden, dass Menschen, zehn Minuten nach Öffnung die Supermärkte mit 40 Rollen Toilettenpapier oder 20 Liter Milch verlassen. Reis und Mehl sind oft nur noch in den frühen Morgenstunden erhältlich. "Najo, zur Sicherheit", hört man die rücksichtslosen Käufer sagen. Wäre alles gar nicht nötig. Kaufte jeder weiterhin das, was er braucht, würde sich an der Verfügbarkeit der Produkte auch nichts ändern. Selbst in Italien ist noch keiner verhungert. Ist aber halb so wild, weil ohnedies alle Produkte weiterhin lieferbar sind und sich das Einkaufsleben wieder einpendeln wird, sobald die Hamster nicht mehr den Weg durch die Mehl-, Klopapier- und Milchstapel in ihren Wohnungen finden.

Auf der anderen Seite gibt es jene, die gerade eben sicherstellen, dass sich auch der Rest der Bevölkerung versorgen kann. Logistik- und Lagerarbeiter etwa. Angestellte im Supermarkt, die nicht nur Sonderschichten bei der Warenannahme schieben müssen, sondern Tag um Tag und Stunde um Stunde dem Kontakt mit den Massen und ihrem befingerten Wechselgeld ausgesetzt sind. Das alles sogar unter Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse. So sagte etwa eine Spar-Mitarbeiterin, die am Freitag um 19 Uhr mit zwei Packerl Haltbar-Milch in der Kassa-Schlange beim Merkur stand: "Wir kommen nicht einmal dazu, etwas für uns zu kaufen und wenn wir mit der Arbeit fertig sind, gibt es nichts mehr." Abwarten, ob am Ende auch für sie etwas aus dem Vier-Milliarden-Euro-Krisen-Topf der Regierung übrigbleiben wird.

Aber es gibt auch Beobachtungen abseits. Kärnten etwa. Das Bundesland an der Grenze zur europäischen Seuchenhochburg Italien hat noch immer die wenigsten Corona-Fälle in Österreich – auch wenn Heiligenblut inzwischen zur Quarantänezone erklärt wurde. Warum das so ist? Vom Land Kärnten kam auf Anfrage keine offizielle Reaktion. Vielleicht bewahrheiten sich dort gerade die gewaltigsten Klischees, die man über urtümliche und wehrhafte Bergvölker haben kann. Ebenso möglich ist, dass dort Freiheitsdenken gepaart mit Unbekümmertheit vorherrschen. Sätze wie: "I geh siha nit in Quarantäne" oder "A Schnops und a Buttabrot mocht olle Bakterien tot", dürften keine Einzelfälle sein.

Ähnlich sieht es in Russland aus. An die direkte Grenze mit Europa und China hält sich den Zahlen nach auch das Coronavirus. Während wir in Österreich bei bestätigten Infektionen bereits an der 1000er-Grenze kratzen, meldet Russland gerade einmal knapp über 60 bekannte Fälle, davon sind acht auch schon wieder genesen.

Geht man von den Besuchszahlen bei Hausärzten in den letzten zwei Wochen aus, durchleben aber auch die Wiener derzeit eine Phase absoluter Robustheit. Ein Lokalaugenschein zeigte, dass die Wartezimmer wie leergefegt waren. Auch hier sind aber Alternativen denkbar. Etwa, dass aus Angst vor dem Virus niemand mit potenziellen Seuchenträgern in einem Raum sitzen wollte. Das wiederum lässt darüber spekulieren, wieviele Arztbesuche die Menschen selbst wirklich für nötig erachten. Inzwischen sind Termine beim Arzt aber ohnedies nur noch nach vorheriger Vereinbarung wahrnehmbar.

Und wie sieht es mit dem Ursprungsland aus? Ungustiöse Videos, die den Markt von Wuhan vor der Epidemie zeigen, legen folgenden Schluss nahe: Ein autoritärer Staat kann vorschreiben, was gesagt werden darf, er kann sogar vorschreiben, wieviele Kinder man haben darf, hygienische Mindestanforderungen auf öffentlichen Märkten sind hingegen jenseits der regulatorischen Möglichkeiten.

Letztlich können Vernünftige wie Unvernünftige in Österreich sich aber in Sicherheit einer vernünftigen Regierung wiegen. Einer Regierung, die schneller gehandelt hat, als andere und die gewillt ist, Milliarden in die Hand zu nehmen, um das Schlimmste zu vermeiden. Einer Regierung, die dabei einstimmig von der Opposition unterstützt wird. Es ist beruhigend, dass Österreich von solch vernünftigen Menschen repräsentiert wird. Menschen, die sich nicht wie die Hamsterkäufer aufführen. Wie unter Menschen, gibt es die auch unter Staaten. Dazu gehört offenbar auch die Trump-Administration in den USA. Die hat laut deutscher Bundesregierung gerade versucht, sich mit fantastischen Angeboten die Forschung und Patente deutscher Virologen zu sichern, die an einem Impfstoff gegen den Coronavirus arbeiten. Zur Verfügung sollte der dann zuerst einmal exklusiv den USA stehen. Auch hier hat die Vernunft gesiegt heißt es, die Firma habe das Angebot ausgeschlagen und sollte der Impfstoff tatsächlich gefunden werden, soll er auch allen zur Verfügung stehen.