Vergangenen Montag, Tag eins der durch das Coronavirus bedingten Ausgangsbeschränkungen: An diesem Tag standen wohl etliche Menschen vor verschlossenen Türen - so auch bei den Wiener Volkshochschulen (VHS). Nicht zu allen Teilnehmern, die derzeit VHS-Kurse im Bereich der Basisbildung besuchen oder ihren Pflichtschulabschluss nachholen, war die Nachricht durchgedrungen, dass die VHS geschlossen bleiben. Deshalb wurden die rund 1000 Teilnehmer Anfang vergangener Woche von den Kursleitern persönlich kontaktiert und darüber informiert, dass die Kurse von nun an als Fernunterricht abgehalten werden.

"Die Volkshochschulen sind oft die einzige Anlaufstelle"

Für 80 bis 90 Prozent der Kursteilnehmer ist der VHS-Kurs die einzige Anlaufstelle für Informationen, sagt John Evers, Erwachsenenbildner und Bereichsleiter der Initative Erwachsenenbildung der Volkshochschulen Wien, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Deshalb finden sich auf der VHS-Homepage neben Kursunterlagen auch ORF-Nachrichten in leichter Sprache sowie Tipps zum Schutz vor dem neuartigen Coronavirus oder zur Bewältigung der Heimisolation - die gerade für Menschen, die beengt wohnen, sehr belastend sein kann. "In jedem Fall geht es um den laufenden Kontakt und um Unterstützung, um den Alltag zu bewältigen", erläutert Evers.

Viele der rund 500 Jugendlichen, die sich in den Kursen auf eine Deutschprüfung oder den Pflichtschulabschluss vorbereiten, sind aus Syrien oder Afghanistan nach Österreich geflüchtet und verfügen oft nicht über das für E-Learning erforderliche Equipment. Doch wie funktioniert Fernunterricht ohne Internetzugang, ohne Computer, ohne Drucker? Die VHS-Kursleiter stehen in stetigem Austausch mit den Teilnehmern, vor allem via Telefon. Wenn es erforderlich ist, werden Unterlagen auch per Post zugestellt. "Wir kommen unserer bildungs- aber auch gesellschaftspolitischen Verantwortung nach und bieten Bildung gerade jetzt auch für jene, die einen besonders schweren Zugang zu Informationen haben", sagt Evers.

Wunsch nach Rückkehr
zur Normalität

Auch die "Mama lernt Deutsch"-Kurse, die vorwiegend von Frauen aus Afghanistan, Syrien, Rumänien und der Türkei besucht werden, finden nun im Fernunterricht statt - allerdings anders als sonst, nämlich ohne Kinderbetreuung. In diesen Kursen, die ausschließlich von Frauen besucht werden, lernen die Teilnehmerinnen Lesen, Schreiben und Rechnen sowie den Umgang mit Neuen Medien.

"Ich finde den Online-Unterricht gut - aber ich wünsche mir, dass die Situation normal wird, wir wieder zur Schule gehen können und dort viel lernen", sagt eine Kursteilnehmerin. Der Rückkehr zur Normalität ist wohl ein Wunsch, den sie derzeit mit sehr vielen teilt.