Von einem Tag auf den anderen war die Verordnung der Regierung da, und Roland Stelzer blieb nichts anderes übrig, als seine Ideenwerkstätte Happylab samt Co-Working-Space im zweiten Wiener Gemeindebezirk zu schließen. Die digitalen Produktionsmaschinen - darunter sieben 3D-Drucker - standen still, Kreativsitzungen und Workshops wurden abgesagt und auch Führungen gab es keine mehr. "Wir konnten unseren Betrieb für nichts mehr nutzen", sagt er zur "Wiener Zeitung".

Happylab-Chef Roland Stelzer musste seinen Betrieb schließen, nun startet er mit der Schutzschirmproduktion durch. - © Stelzer
Happylab-Chef Roland Stelzer musste seinen Betrieb schließen, nun startet er mit der Schutzschirmproduktion durch. - © Stelzer

Anstatt aber seine Mitarbeiter zu kündigen und auf Hilfe zu warten, hörte sich Stelzer in der Community um und stieß auf ein interessantes Projekt der tschechischen Firma Prusaprinters, die in großem Stil 3D-Drucker vertreibt und mit dieser Technologie auch Produkte herstellt. Nachdem auch hier der Betrieb wegen Corona gesperrt wurde, fingen die Kollegen an, für Ärzte und Krankenhäuser "Faceshields", also Gesichtsschutzmasken aus Plexiglas, zu produzieren - oder besser gesagt auszudrucken. Dabei wird der 3D-Drucker neben der notwendigen Masse Plastik mit einer 3D-Datei, auf der die Parameter für den Druckvorgang gespeichert sind, gefüttert und nach einiger Zeit liegt das fertige Objekt zur Entnahme bereit.

Obwohl Zeit relativ ist. Im Fall der Schutzschirme dauert die Produktion eines einzigen Stücks bis zu acht Stunden, ein Luxus, den sich Prusaprinters dank seiner 800 3D-Drucker halbwegs leisten kann. Für Stelzer sind das freilich Kapazitäten, von denen er und seine Leute nur träumen können. Und dennoch dachte sich der Wiener: "Was die können, können wir auch." Um die Schlagzahl zu erhöhen, hat nun Happylab bei seinen rund 2000 Mitgliedern landesweit einen Aufruf gestartet, gemeinsam mit der Produktion von Gesichtsschutzschirmen zu starten - "Crowdprinting" sozusagen. Plastik und 3D-Datei werden direkt zugestellt.

KAV orderte 200 Masken

Von Beginn an mit dabei ist Bernhard Bornatowicz. Auch er hat einen 3D-Drucker zu Hause stehen und den Aufruf mitinitiiert. Dass die gedruckten Gesichtsschutzmasken in Qualität und Sterilität nicht an jene aus Fabrikfertigung heranreichen, dessen ist sich der Wiener bewusst, aber: "Ein Gesichtsschirm ist besser als keiner. Und außerdem sagen wir ja bei der Lieferung dazu, dass es sich um gedruckte Exemplare handelt, die nur Sicht- und Spuckschutz sind." Um zu gewährleisten, dass auf Produkten aus der Crowd keine Viren "hängen bleiben", werden die Teile einige Tage zwischengelagert oder desinfiziert.

Wie viele Mitglieder sich an dieser Aktion beteiligen werden, kann Bornatowicz noch nicht sagen. Das komme auch auf die Bestellungen an, und erste Anfragen gibt es bereits, darunter der Wiener Krankenanstaltenverbund mit 200 Stück. Um diese Anzahl zu produzieren, müsste ein einziger 3D-Drucker 66 Tage lang laufen. Weswegen auch dutzende private Geräte notwendig sein werden, um den Auftrag zu erledigen. Die Frage, ob es dafür theoretisch genügend Druckerbesitzer in Wien gibt, bejaht Bornatowicz. "Einige hundert sind es sicher."

Für den Start haben Roland Stelzer und seine Mitarbeiter einmal die Drucker im Happylab angeworfen und Prusaprinters um Unterstützung gebeten. Nur sind die Kapazitäten nicht das einzige Problem. "Leider kommen wir gar nicht mehr so leicht an die Rohstoffe", erzählt Stelzer, gibt aber Entwarnung: "Ich habe einen Händler in Deutschland gefunden, der uns etwas zur Seite legt, weil ihm unsere Idee so taugt."

Klar ist, zum Nulltarif werden die per "Crowdprinting" erzeugten Gesichtsschutzmasken nicht auf den Markt gehen. Zumindest soll der Verkauf die Ausgaben decken, sagt Stelzer. Inklusive Rohstoff, Transport und Bearbeitung wird daher ein Schirm auf zumindest ein paar Euro kommen. Geht es nach dem Happylab-Geschäftsführer, sollen demnächst gemeinsam mit der Community "ein paar hundert Stück" produziert werden - pro Tag wohlgemerkt.

Einzig, wie die Schirmmasken möglichst effizient verteilt werden können, ist noch nicht ganz geklärt. Stelzer appelliert daher an größere Player wie die Wirtschafts- oder Ärztekammer, hier bei der Koordination zu helfen. "Wenn wir nicht wissen, wie hoch der Bedarf ist, können wir auch nicht planen", sagt er. Zumindest, dass der Bedarf hoch ist, dürfte gewiss sein. An Schutzschirmen - und 3D-Druckern.