Die Tourismuswirtschaft in Österreich ist mit schweren Einbrüchen konfrontiert. Das macht der gesamten Volkswirtschaft zu schaffen. Immerhin sind die Tourismus- und Freizeitbetriebe für rund 15,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich, besagen die Daten der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Zudem war der Tourismus eine der Branchen, die über die vergangenen Jahre starke Zuwächse zu verzeichnen hatte. Doch nun sind seit Anfang März Nächtigungen quasi inexistent. Am Montag hat die Bundesregierung generell die österreichweite Schließung von Hotels angeordnet.

"Wir werden tendenziell einen Ausfall in Höhe von 60 Prozent des Jahresumsatzes haben", erklärt Dominic Schmid im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auf jeden Fall geht der Fachgruppenobmann für Hotellerie, Tourismus und Freizeitwirtschaft in Wien von einem Ausfall von 30 bis 40 Prozent aus. Viel wird davon abhängen, wie lange die Sperre anhält und wie hoch damit der Totalausfall an Nächtigungen ausfällt.

Oliver Fritz vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) beziffert den landesweiten Nächtigungsverlust pro Monat mit etwa fünf Prozent: Hielte die Schließung nur bis Ende April an - wovon nicht auszugehen ist -, würde das ein Minus von 12 Prozent ergeben. Eine Wiedereröffnung per Juli bedeutet minus 22 Prozent. Wären auch die Hauptsommermonate Juli und August betroffen, würden diese Ausfälle aber deutlich ansteigen.

Hotelstornierungen reichen bis in den September hinein

Dominic Schmid, Fachgruppen Obmann Hotellerie Wien. - © Florian Wieser
Dominic Schmid, Fachgruppen Obmann Hotellerie Wien. - © Florian Wieser

"Wir hoffen natürlich, dass es ab Ende Juni wieder Licht am Ende des Tunnels gibt. Aber viele Experten gehen davon aus, dass wir erst ab September wieder anfangen können von einem normalen Tourismus zu sprechen", erklärt Schmid. Schon jetzt reichen die Hotelstornierungen in Wien bis in den September hinein.

Doch selbst wenn Österreich frühzeitig die Beschränkungen lockerte, wäre das noch nicht der Start in die Normalität. Denn, um hier Urlaub machen zu können, muss der Tourist natürlich erst einmal sein eigenes Land verlassen können.

"Wir fangen im Tourismus dann bei null an. Der kann erst dann arbeiten, wenn die Menschen wieder zu reisen beginnen und die Flugzeuge wieder starten", sagt Schmid. Besonders betroffen ist hier das Luxussegment. Kleine Pensionen haben oftmals eine Stammklientel, die später wieder zurückkehren wird. Doch die Fünf-Sterne-Hotels sind von bestimmten Regionen abhängig, etwa dem arabischen Raum oder Amerika. "Da weiß man nicht, wann in diesen Ländern wieder die Flugzeuge fliegen werden", sagt Schmid.

Ist die Krise einmal überstanden, ist Fritz vom Wifo vorsichtig optimistisch, was die Erholung der Branche angeht: "Der Wunsch nach Urlaubsreisen und Ausflügen ist nach wie vor stark vorhanden und nach Aufhebung der Einschränkung sozialer Kontakte und der Bewegungsfreiheit ist damit zu rechnen, dass diese Bedürfnisse so bald als möglich wieder ausgelebt werden wollen." Zumindest haben Touristen in der Vergangenheit relativ rasch ihr vergangenes Verhalten wieder aufgenommen und dramatische Ereignisse "vergessen".

Verringerte Einkommen reduzieren Urlaubsnachfrage

Den negativen BIP-Effekt dämpfen könnte wiederum, dass nicht nur die Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen in Österreich beeinträchtigt wird, sondern auch die heimische Nachfrage nach Reisen ins Ausland. Die Reiselust der Österreicher könnte sich verstärkt auf den heimischen Tourismus konzentrieren.

Allerdings könnten sich andere Umstände negativ auswirken. "Die Krise wird die konjunkturelle Situation innerhalb und außerhalb Europas deutlich verschlechtern - steigende Arbeitslosigkeit und verringerte Einkommen werden vermutlich die Nachfrage nach Urlaubsreisen sinken lassen", erklärt Fritz.

Doch vorerst konzentriert man sich darauf, die aktuelle Misere bestmöglich abzufedern. "Die Kurzarbeit ist für uns der Rettungsschirm", erklärt Schmid. Eine weitere Unterstützung könnte beispielsweise die Aussetzung der Lohnnebenkosten bis Jahresende sein. Mit seinem Beitrag zum BIP wird der Tourismus jedenfalls besonderes Augenmerk benötigen, denn der Ausfall betrifft natürlich auch andere Branchen. Das fängt bei Bäckern und Lebensmittelhandel an, geht über Elektriker und reicht bis zur Möbelindustrie.