Über Wiens "einzige Zuhälterin", Wanda Kuchwalek, die als "Wilde Wanda" in die Lokalgeschichte einging, hat die "Wiener Zeitung" am 22. Februar 2020 berichtet. Sie baute sich in den 70er-Jahren als streitbare Gewalttäterin im Gürtel-Milieu und so auch in den Boulevard-Medien einen legendären Ruf auf. Heute ist eine Popgruppe nach ihr benannt.

Die "Wilde Wanda" auf einem ihrer vielen Gerichts wege. Links neben ihr der "Mann ihres Lebens", Anwalt Herbert Eichenseder. - © Hanni/Eichenseder
Die "Wilde Wanda" auf einem ihrer vielen Gerichts wege. Links neben ihr der "Mann ihres Lebens", Anwalt Herbert Eichenseder. - © Hanni/Eichenseder

Einmal zertrümmerte Wanda mit einem Gipsfuß eine "Buddel" eines Lokals. Sie hatte gemeint, jemand sei nicht höflich genug gewesen. Und wenn sie, meist schwarz und wie ein Mann gekleidet, mit einer Stahlrute in der Hand, furchteinflößend über die Straße schlenderte, erwartete sie eben Respekt ihrer Umgebung.

Wanda war in Heimen aufgewachsen, dort missbraucht worden und schon als 14-Jährige mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Als sie ihr Anwalt Herbert Eichenseder einmal im Gefängnis besuchte, hatte Wanda einen Kompass auf den Handrücken tätowiert. Er fragte eher beiläufig: "G’fallt Ihnen so was?" Als Eichenseder das nächste Mal kam, hatte sich Kuchwalek den Kompass herausgebissen und trug eine bandagierte Hand. "Warum haben S’ des gemacht?", fragte der Anwalt. "Ich hab’ g’laubt, des gefällt Ihnen nicht", war die trockene Antwort.

Prostituierte sorgten zeit ihres Lebens für das Einkommen der offen lesbischen Frau. Einmal war sie auch mit einem Mann verheiratet. Ihr langjähriger Anwalt, der "einzige Mann", dem sie angeblich vertraut haben soll, war Zeuge der Hochzeit. Ort der Szenerie war ein Wiener Gefängnis, in dem die Wilde Wanda eben einsaß. Der Bräutigam, "ein kleines, schwachbrüstiges Manderl, das auch im Häf’n war", erinnert sich der renommierte Strafverteidiger Herbert Eichenseder. Bei der Wanda ging es um eine bedingte Entlassung. Da sei ihr eine Ehe zu Gute gekommen. "Und daher wurde der Dachdecker überzeugt, dass es für ihn gut wäre, sie zu heiraten." Das sollte finanziell sein Schaden nicht sein. Allein, der schmächtige Mann reichte der "Wilden Wanda" gerade bis ans Brustbein, erzählt Eichenseder. "Da sagte der Standesbeamte nach vollzogener Prozedur im Gefängnis zum Bräutigam: Sie können die Braut jetzt küssen." Alle Anwesenden erstarrten, was wohl jetzt kommen würde. Sie wussten von Kuchwaleks Gewaltbereitschaft und ihrem lesbischen Lebenswandel. Wanda Kuchwalek ging langsam auf ihren Bräutigam zu, hob ihn mit zwei Händen am Anzugrevers langsam bis in ihre Augenhöhe. "Sie blickte ihn unmissverständlich an und stellte ihn bestimmt und ganz langsam wieder wie ein Möbelstück ab", erinnert sich Eichenseder. Damit war die Zeremonie und auch der weitere Bund vorbei. Der gutwillige Dachdecker hat sein Eheglück unverletzt überlebt. Eichenseder: "Die Wanda hat nie was mit einem Mann gehabt und war bis zum Tod mit einer ihrer Prostituierten zusammen."

Wanda sei eine "ehrliche und verlässliche Klientin" gewesen. Eichenseder war immer sicher, er werde zu seinem Honorar kommen, "auch wenn sie gerade kein Geld gehabt hat".

Zumindest zweimal habe die Wanda "sicher anständig" etwas verdient. Als sie einmal in der Schwarzau eingesperrt war, wollten Hamburgs "St. Pauli-Nachrichten" unbedingt ihre Memoiren haben. Tatsächlich wurden auch einige Kapitel veröffentlicht. Als Treuhänder für das Honorar fungierte Anwalt Eichenseder. Der organisierte für Wanda auch noch einmal einen satten Vorschuss von 20.000 Euro auf die Rechte für ein Buch oder ein Theaterstück über ihr Leben. Das allerdings ist bis jetzt nicht erschienen. Wanda starb verarmt 58-jährig im Jahr 2004.