Wien. Peter Dobcak, der Fachgruppenobmann für Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, warnt die Wirte, nach der Öffnung der Branche Mitte Mai die Gäste mittels Billig-Angeboten locken zu wollen. "Ich appelliere an die Vernunft der Kollegen, jetzt nicht wieder mit einem Preiskampf zu beginnen", sagte er. Denn auch so wären die Folgen der Coronakrise schon schlimm genug.

Ruinös könne es etwa sein, extrem günstige Mittagsmenüs anzubieten, zeigte er sich überzeugt. Man solle auch nicht glauben, dass die Menschen sofort wieder in die Lokale strömen werden, nur weil man aufsperre, wies er auf die Gefahr von überzogenen Erwartungen hin. Vielmehr solle man die Chance nutzen, dass auch viele Kundinnen und Kunden jetzt Verständnis für die Probleme der Gastronomie hätten, schlug Dobcak vor.

Kampfpreise wären dabei definitiv das falsche Mittel, befand er. Diese seien "fatal" und würden eine ohnehin bevorstehende Entwicklung nur verschärfen, so der Kammervertreter. Er rechnet damit, dass die Zahl der Insolvenzen in der Branche heuer um 20 bis 30 Prozent ansteigen wird - außer, es würde sich an den Rahmenbedingungen etwas gravierend ändern, wie er sagte.

Lockerung bei
Schanigärten könnte helfen

Gegensteuern könne man etwa mit - möglicherweise befristeten - Neuregelungen für Schanigärten. Denn Freiflächen würden, so mutmaßte Dobcak, nun noch beliebtere Treffpunkte werden. Die Bestimmungen für die Open-Air-Areale könnten gelockert werden, auch eine Vergrößerung von Flächen sei hier eine Möglichkeit, hielt er fest. Gefordert seien hier etwa der Bund oder auch die Stadtverwaltung.

Zugleich könnten die Schanigärten aber auch zum Problem werden, fürchtet er. Denn so manche Nachbarn und Anrainer hätten sich jetzt wohl an die Ruhe gewöhnt. Nun sei nicht ausgeschlossen, dass nach der Wiedereröffnung vermehrt Konflikte entstehen.

Wie viele Lokale ab 15. Mai in Wien wieder aufsperren werden, wisse er nicht, sagte Dobcak. Das liege auch daran, dass man die genauen Vorschriften noch nicht kenne.

Schon jetzt gebe es aber einige Betreiber aus dem Bereich der Nachtgastronomie, die sagen, dass eine Öffnung erst im September sinnvoll sei. Denn Abstand zu halten sei in Bars oder Tanzlokalen schwer möglich - und außerdem sei der Sommer dort ohnehin die schwache Saison, gab Dobcak zu bedenken.