Es war zwei Wochen vor Ostern, als Bernhard Ehrlich realisierte, dass er sich etwas einfallen lassen musste. Die Marx Halle in Wien war bereits seit Monaten gebucht, dort sollte am 19. Mai der von Ehrlich organisierte, mittlerweile zweite "Job Day" über die Bühne gehen, mit tausenden Besuchern und mehreren hundert Bewerbungsgesprächen gleichzeitig. Doch Großveranstaltungen wurden wegen der Corona-Krise mittlerweile verboten. Absagen kam nicht infrage. "Wir ziehen es durch", sagt der ehemalige Medienmanager, der 2015 das Jobvermittlungsprojekt "10.000 Chancen" in Privatinitiative gestartet und seitdem schon mehrere Großevents veranstaltet hat. Auch der Job Day 2020 wird stattfinden - wie geplant am 19. Mai, allerdings wird er ins Internet verlegt. Das möglich zu machen, bedeutete für Ehrlich Stress pur, aber: "Ich habe in letzter Sekunde zwei Unternehmen aus Graz gefunden, die in Rekordzeit eine Software dafür entwickelt haben", erzählt er der "Wiener Zeitung".

So funktioniert es: Nach dem Log-in auf www.jobday-online.at sehen Teilnehmer bei jedem potenziellen Arbeitgeber, wie viele vor ihnen dran sind und können sich dann in dessen virtuellen Warteraum begeben. Das Bewerbungsgespräch findet via Videochat statt - auch hier empfiehlt sich passende Garderobe -, danach können Lebensläufe und andere Unterlagen geschickt werden. Die Software ist auf bis zu 30.000 Besucher ausgelegt. Recruiter aus rund 80 Unternehmen, die keine Kurzarbeit nutzen oder bald damit aufhören, werden an der digitalen Veranstaltung teilnehmen, darunter der Handelskonzern Rewe, McDonald’s, die Wiener Linien und der Baukonzern Strabag.

Bis zu 3000 Stellen werden vergeben - ein Hoffnungsschimmer in einer Zeit, die von Rekordarbeitslosigkeit geprägt ist. Gerade deshalb sei seine Veranstaltung so wichtig, denn je länger jemand arbeitslos sei, desto schwerer werde der Wiedereinstieg, so Ehrlich. Er rechnet im Sommer mit einer neuen Arbeitslosenwelle, denn für viele Unternehmen zögere das Kurzarbeitsmodell nur die unvermeidlichen Kündigungen hinaus. Das Umdisponieren habe ihn in den vergangenen Wochen ziemlich gefordert, sagt er. Seine Tage sind lang, er verbringt sie mit Skypen, Telefonieren und E-Mails-Schreiben.

Dazwischen gibt er Interviews und rührt die Werbetrommel für den großen Tag. Das Bad in der Menge, die unzähligen Gespräche und persönlichen Kontakte wie bei seinen Großveranstaltungen davor fallen für ihn aber heuer aus. Was macht Bernhard Ehrlich am 19. Mai 2020, wenn sich ab 8 Uhr Bewerber und Personaler in der virtuellen Welt treffen? - Er lacht: "Ich gehe davon aus, dass mir an dem Tag nicht fad ist."