Verletzte Polizisten, verängstigte Zeugen und eine zertrümmerte Fensterscheibe: Es ist die Bilanz eines Auffahrunfalls, der am 22. November 2019 in eine Serie von Gewalttaten ausartete. Am Montag wird ein 22-Jähriger dafür am Wiener Straflandesgericht zu fünfzehn Monaten Haft, davon elf Monat bedingt, verurteilt.

Die Verhandlung findet aufgrund des Coronavirus unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Beim Eintritt in das Gerichtsgebäude wird Besuchern die Körpertemperatur gemessen, nur einzelne Plätze sind im Verhandlungssaal für Zuschauer freigegeben. Mund- und Nasenschutz ist Pflicht, vor der Richterin ist eine Plexiglaswand aufgebaut.

Befragung per Video

Die gravierendste Neuerung betrifft aber die Vernehmung des Angeklagten: Er sitzt nicht im Gerichtssaal, sondern in einem Raum in der Justizanstalt Josefstadt. Von dort wird er per Video auf den Bildschirm im Saal zugeschaltet. Nach anfänglichen Technik- und Tonproblemen gelingt die Übertragung dann auch.

Der 22-Jährige bekennt sich schuldig und zeigt sich reumütig. "Diese Taten sind bei allem Respekt nicht zu entschuldigen", erklärt er. Am Vorfallstag habe er Alkohol getrunken, Drogen konsumiert und mit seiner Freundin gestritten. Daraufhin sei er erbost mit dem Auto losgefahren.

Zur Mittagszeit krachte er am Margaretengürtel in das Auto eines Diplomaten. Dieser bestand darauf, die Polizei zu rufen, womit der Angeklagte nicht einverstanden war. Er holte sich eine Axt aus seinem Auto und schlug eine Seitenscheibe beim Fahrzeug seines Unfallgegners ein. Es habe sich dabei um eine "Kurzschlussreaktion" gehandelt, rechtfertigt sich der 22-Jährige.

Der Diplomat wurde durch einen Glassplitter verletzt und flüchtete, der Angeklagte verfolgte ihn. Die Axt war dem jungen Mann beim Schlag aus der Hand gerutscht und in das Auto des Diplomaten gefallen. "Ich wollte das Beil zurückholen", schildert er. Er habe befürchtet, dass man ihm ansonsten noch schlimmere Straftaten vorwerfen werde - wie etwa einen Mordversuch.

Als er den Verfolgten auf einem Parkplatz in Favoriten stellte, hatte der 22-Jährige aber wiederum Angst, dass der Diplomat ihn nun mit dem Beil attackieren würde. Daher habe er zu seinem Schutz nach einer Eisenstange gegriffen, die in der Gegend herumgelegen sei, so der Angeklagte. Auch als die alarmierten Polizisten am Parkplatz eintrafen, wollte sich der Mann nicht beruhigen, wie eine Zeugin vor Gericht schildert: "Ich hatte schlaflose Nächte, da er mich in Todesangst versetzt hat." Seiner Festnahme widersetzte sich der Angeklagte dann mit Gewalt. Eine Polizistin erlitt eine Gehirnerschütterung, ein zweiter Beamter leichte Verletzungen. "Ich habe die Beine bewegt", erklärt der 22-Jährige.

Im Nachhinein tue ihm alles sehr leid, meint der Angeklagte, der sich bei den Verletzten und ihren Familien entschuldigt: "Es sind Polizisten, aber am Ende des Tages sind es auch Menschen." Während seiner Zeit in Untersuchungshaft habe er auch "realisiert, dass viel Schlimmeres hätte geschehen können".

Urteil rechtskräftig

Richterin Rumpl verurteilt ihn letztlich wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, gefährlicher Drohung und Nötigung zu fünfzehn Monaten Haft, elf Monate davon werden ihm bedingt nachgesehen. Vier Monate hat der 22-Jährige bereits in Untersuchungshaft abgesessen, weshalb er nach der Verhandlung umgehend freigelassen wird. Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger Andreas Strobl gibt er einen Rechtsmittelverzicht ab. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.