Zumindest für die rund 200 Hunde, die derzeit beim Wiener Tierschutzverein in Vösendorf untergebracht sind, hat die Corona-Krise auch ihre guten Seiten; die Nachfrage nach ihnen ist so groß wie schon lange nicht mehr. Sieben Wochen stand man unter "Präventiv-Quarantäne". Die Tiere wurden vom hauseigenen Personal versorgt, für Interessenten blieben die Türen jedoch verschlossen. Am 13. Mai hat der Wiener Tierschutzverein seinen eingeschränkten Betrieb wieder aufgenommen. Ohne vorherige Kontaktaufnahme via Telefon geht nichts.

"Um 13.30 Uhr waren die Leitungen wieder offen, zehn Minuten später waren alle Vergabetermine für den nächsten Tag weg", erzählt Oliver Bayer, Sprecher des Wiener Tierschutzvereins. Wobei, wie er hinzufügt, so ein Vergabetermin nicht automatisch bedeuten muss, dass das Tier dann auch tatsächlich adoptiert wird. Dass es dann bis letzten Sonntag immerhin doch 17 Hunde waren, die einen neuen Besitzer gefunden haben, freut ihn sehr.

Angekündigt hat sich der Run auf Tiere aus dem Tierschutz bereits Mitte April. In Zeiten der Corona-Krise wollten sich offenbar viele Wiener ein Tier zu sich nach Hause holen.

Lockdown begünstigte Wunsch nach einem Haustier

"Es gab mehrere Dutzend Anrufe pro Tage", erinnert sich Bayer. Besonders stark nachgefragt wurden Hunde. Er glaubt, dass das damit zusammenhing, dass die Menschen aufgrund von Homeoffice oder Kurzarbeit mehr Zeit hatten und sich sukzessive mit der Idee, ein Haustier zu haben, anfreunden konnten. Auch Einsamkeit dürfte ein Aspekt gewesen sein.

Nachdem der Tierschutzverein zu diesem Zeitpunkt geschlossen war, wandten sich viele ans Wiener Tierquartier. Auch dort ortete man um 25 Prozent mehr Nachfrage als gewöhnlich. Im Unterschied zum Tierschutzverein, vergibt das Tierquartier im 22. Bezirk auch Pflegetiere für einen gewissen Zeitraum. Dabei handelt es sich in erster Linie um sogenannte Hospiz-Tiere, also ältere Vierbeiner, die Medikamente nehmen müssen.

Die Bereitschaft, sich für einen Monat ein derartiges und in der Regel eher pflege- und betreuungsintensives Tier zu nehmen, war groß. Hunde standen höher in der Gunst als Katzen. Bei den Fixvergaben bemerkte man im Tierquartier hingegen keinen auffälligen Anstieg.

Bayer ist rückblickend froh darüber, dass die Adoption von Tieren in diesem Zeitraum in Vösendorf nicht möglich war. "Sobald der Alltag wieder einkehrt, erkennen viele, dass die Zeit für das Tier dann im Endeffekt doch nicht da ist. Wir hätten vermutlich enorme Rücklaufquoten gehabt", sagt er. Selbstverständlich sei das eine Problematik, mit der man sich im Haus ständig konfrontiert sehe, die Phase des Lockdowns habe aber emotionale Ausnahmezustände zweifelsohne zusätzlich begünstigt.

"Wir haben in dieser Zeit versucht, die Interessenten zu sensibilisieren und sie gebeten, einfach nach Wiedereröffnung des Hauses vorbeizuschauen. Falls dann immer noch der Wunsch nach einem Haustier besteht", sagt Bayer. Diese Strategie ist offenbar aufgegangen. "Die Menschen, die bei uns anrufen, haben ganz konkrete Vorstellungen davon, welchen Hund sie sich wünschen. Meistens kennen sie sogar schon seinen Namen", erzählt er lachend. Man habe wochenlang Zeit gehabt, sich einzelne Tiere auf der Website des Tierschutzvereins, via Facebook oder im hauseigenen Magazin anzuschauen, die Kurzporträts zu lesen und eine Entscheidung zu treffen.

Auch Unentschlossenen mit eher vagen Vorstellungen wie "klein, flauschig und nicht allzu aktiv" konnte man bereits am Telefon weiterhelfen. "Wir haben alle unsere Tiere dokumentiert. Fotos und Eckdaten zum Charakter des Hundes konnten so auch via Mail übermittelt werden", sagt Bayer. Ein "normaler" Termin, in dem einem, nach einem Gespräch, Vorschläge unterbreitet werde, ist aber ebenfalls möglich. Was jedoch nicht geht, ist zwischen den Zwingern zu flanieren und zu gustieren. "Wir setzen nach wie vor alles daran, eine Kontaminierung des Areals bestmöglich zu verhindern. Wer soll sich denn sonst um die Tiere kümmern, wenn über das Haus eine Quarantäne verhängt wird?", sagt Bayer. Die Tiervergabe wurde deshalb in den vorderen Bereich des Areals verlegt, das ehemalige Gasthaus "in zwei Hälften" geteilt. Einen Eingang gibt es für die Hundevergabe, der andere ist für die Katzenvergabe. Kleintiere werden im Infobereich des Haupthauses weitergereicht.

Die Vergabetermine für Hunde sind mittlerweile bis zum 5. Juni ausgebucht, bei Katzen und Kleintieren ist der Andrang nicht ganz so groß. Ins Tierschutzhaus kommt nur, wer einen (mitgebrachten) Mund-Nasen-Schutz trägt und sich an die Hygiene- und Abstandsregeln hält. Einlass ist nur nach telefonischer Terminabsprache möglich. Der Wiener Tierschutzverein hat von Mittwoch bis Sonntag zwischen 13.30 Uhr und 17 Uhr geöffnet, pro Termin stehen 30 Minuten zur Verfügung.