Ende Jänner ist 92-jährig ein Held der "Hitzeschlacht von Lausanne", Theodor "Turl" Wagner, verstorben. Damals, bei der Weltmeisterschaft 1954, errang Österreich den dritten WM-Platz. Im Schlüsselspiel gegen die Schweiz, das Österreich 7:5 gewann, schoß Wagner (Wacker-Wien) drei Tore. Zwei weitere steuerte der Rapidler Alfred Körner bei.

Dass Körner (93) zu Beginn des heurigen Jahres knapp 36 Stunden nach seinem kongenialen Stürmerkollegen Wagner verstarb, empfanden viele Fußballfans als tiefe Symbolik. In den "Wiener G’schichten" haben wir darüber berichtet. Körner und Wagner waren schließlich die letzten beiden "Mohikaner" der Wundermannschaft 1954, die im rot-weiß-roten Team mitgespielt hatten.

Turl Wagner hatte wie Alfred Körner auch einen berühmten Fußballer-Bruder. Körners Bruder hieß Robert, jener Turls ebenfalls Alfred. "Seinen" Alfred hielt der Turl zeitlebens für das wesentlich größere technische Fußballtalent. Obwohl auch Alfred Wagner sehr erfolgreich spielte, blieb er immer im Schatten des großen Bruders. Als Turl Wagner und Alfred Körner starben, war Alfred Wagner zu seinem großen Bedauern so krank, dass er nicht auf die Begräbnisse gehen konnte. So blieb ihm auch der Anblick erspart, dass bei Turls Abschied der Österreichische Fußballbund (ÖFB) offenbar auf jegliche sichtbare Präsenz oder Ehrengeste zu vergessen haben schien.

Einige Wochen danach, in der Corona-Zeit, ist Alfred Wagner nun leider selbst verstorben. Er war ein tragender Spieler des berühmt gewordenen Wacker-Teams der 1950er Jahre gewesen. Die Mannschaft war so erfolgreich, dass sie vom Vereinspräsidenten Alfred Frey sogar auf weltweite Tournee geschickt wurde.

Dabei feierte Wacker-Wien etwa in Frankreich, Australien oder Hongkong einen Erfolg nach dem anderen. Was die Öffentlichkeit über diese bezahlten Auftritte kaum wusste: Für die Partien bekam der international gefragte Verein harte Dollars. Die brauchte der Präsident für seine Wien-Filmstudios. Dort warteten Größen, wie Hans Moser, Paul Hörbiger, Theo Lingen und andere auf die Lieferung ausgegangener Rohfilme, um Kino-Streifen fertig drehen zu können. Denn das begehrte Material gab es am Markt nur für Dollars, die der findige Alfred Frey eben einspielen ließ. Die Wacker-Spieler "erhielten nur ein paar Schilling, laut Frey durften sie dafür die Welt sehen", erzählte Turl Wagner einmal dem bald 76-jährigen Franz Gradwohl. Der Ur-Meidlinger war über Jahrzehnte mit Turl Wagner befreundet. Dieser hat laut Gradwohl als Wacker-Kapitän immer für ein kleines Zubrot für die jungen Spieler gekämpft. 1959 kam es deshalb zum offenen Zerwürfnis zwischen Alfred Frey und den Wagner-Brüdern. Der Präsident lehnte nämlich eine Prämie von 100 Schilling für alle Wacker-Spieler ab.

Turl ging erbost mit Bruder Alfred zum Zweitligisten SVS Linz. Beide führten die Mannschaft schnell in die Erste Liga und fügten dort den Wiener Traditionsklub so manche empfindliche Niederlage zu. Der langsame Abstieg von Wacker hatte damit begonnen. Das Ende kam 1971. Da fusionierte der Meidlinger Klub mit Admira aus Jedlesee. Und beide zusammen wanderten nach Niederösterreich aus, wo sie heute noch als Admira-Wacker in der Südstadt beheimatet sind.

Franz Gradwohl blieb den Wagners sein Leben lang treu. Er versorgte als Mitarbeiter der Wiener Traditionsfirma Niemetz die meisten alten Internationalen mit begehrten Schwedenbomben. Die alten Herren trafen sich bis vor drei Jahren jeden Freitag beim Weststadion. Freund Franz Gradwohl besorgte die süßen Zulieferungen für die betagten Naschkater, die einst im Nationaldress so großartige Figur gemacht hatten.