Voriges Jahr sind noch eine halbe Million Menschen bei der Regenbogenparade um den Wiener Ring gezogen, um auf die Lage von LGBTIQ-Personen (Lesbisch Schwul Bi Trans* Inter* Queer) aufmerksam zu machen. Heuer musste diese Demonstration Corona-bedingt abgesagt werden. Um dennoch ein Zeichen zu setzen, findet am Samstag zumindest ein Autocorso statt. Dies geschieht im Rahmen des Online-Events Global Pride.

Voriges Jahr waren sie die Ausnahme, heuer sind sie Programm: Die Vienna Pride findet 2020 als Corso mit Autos und Motorrädern am Ring statt. - © afp/Klamar
Voriges Jahr waren sie die Ausnahme, heuer sind sie Programm: Die Vienna Pride findet 2020 als Corso mit Autos und Motorrädern am Ring statt. - © afp/Klamar

"Wir freuen uns, bekanntgeben zu dürfen, dass Vienna Pride mit zwei Beiträgen international präsent sein wird: mit einer Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und einem Auftritt von Conchita Wurst zwischen 20 und 21 Uhr", kündigte Katharina Kacerovsky, Geschäftsführerin der Stonewall GmbH und Organisatorin von Vienna Pride 2020, am Dienstag in einer Pressekonferenz an. Die Beiträge werden online ausgestrahlt. Es gibt daher keine Bühne wie im Vorjahr am Rathausplatz, wo der Bundespräsident und Wurst live vor Publikum auftreten werden.

Das Konzept des Regenbogen-Corsos unterscheidet sich vom herkömmlichen Paraden-Geschehen, bei dem regelmäßig bunt dekorierte Trucks mit hämmernden Beats samt tausenden Menschen am Ring und an den Straßenrändern am Geschehen teilnehmen. "Um auch auf unerwartete Corona-Entwicklungen vorbereitet zu sein und die Gesundheit aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen sichern zu können, haben wir uns diesmal für eine Demo mit Autos und Motorrädern entschieden", erklärte Ann-Sophie Otte, die Obfrau der Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien.

Der Ring wird fünf Mal "andersrum" umrundet

Ab 17 Uhr wird der aus Autos und motorisierten Zweirädern bestehende Corso fünfmal "andersrum" - also gegen die Fahrtrichtung - die Ringstraße und den Franz-Josefs-Kai umrunden. Plan ist außerdem: In und aus den Fahrzeugen sollen Fahnen, Plakate oder Transparente Inhalte zu LGBTIQ-Themen und -Forderungen sichtbar machen. Bei LGBTIQ handelt es sich um homo-, bi-, trans- und intersexuelle Personen. Aktuell haben sich laut den Veranstaltern mehr als 100 Gruppen und rund 200 Fahrzeuge angemeldet.

Zuseher können das Geschehen vom Gehsteig aus verfolgen und anfeuern, aber nicht mit dem Corso auf der Fahrbahn mitziehen, wo die Fahrzeuge mit circa 20 bis 25 km/h unterwegs sein werden. Katharina Kacerovsky betonte außerdem: "Die Zuschauer sind angehalten, den Sicherheitsabstand eigenverantwortlich einzuhalten."

Eingebettet ist der Regenbogen-Corso in die Global Pride. Dabei handelt es sich um ein Online-Streaming-Event, an dem sich mehr als 500 Prides aus der ganzen Welt mit Beiträgen beteiligen. Kacerovsky erklärte auch, warum gerade in Zeiten von Corona die Vienna Pride so wichtig sei: "Hunderte Prides mussten weltweit abgesagt werden, die sonst so präsente Sichtbarkeit wurde reduziert, in Polen bestehen bis heute die sogenannten ‚LGBT-freie Zonen‘, während dort Reiseverbote bestanden, in Ungarn wurden transgender Personen ihre Rechte aberkannt und in manchen Ländern wird Schwulen die Schuld an Corona in die Schuhe geschoben. Aber die LGBTIQ-Community ist stark und hat andere Wege gefunden, um sich auch in diesen Zeiten zu bestärken, in Kontakt zu bleiben und sichtbar zu sein."