Der Fahrdienstvermittler Uber sammelt nun auch in Wien Verkehrsdaten, um sie Stadtplanern oder Universitäten zur Verfügung zu stellen. Das US-amerikanische Unternehmen hat Wien in seine Plattform "Uber Movement" aufgenommen. Darauf sind Daten einsehbar, die bei Uber-Fahrten erhoben worden sind. "Es besteht der Wunsch von Städten, Mobilitätsdaten zu bekommen", sagte Uber-Österreich-Chef Martin Essl.

Die Daten seien so anonymisiert, dass keine Rückschlüsse auf Personen gezogen werden können, so Essl am Mittwoch bei der Vorstellung des Tools. "Movement" sei eine Webseite, die mit einem Uber-Account für jeden erreichbar sei. In 50 Städten ist die Plattform bisher schon verfügbar.

 

Mobilitätsverhalten in der Coronazeit

Die Plattform zeigt etwa durchschnittliche Reisezeiten zwischen einzelnen Stadtzonen, könnte aber auch dafür genutzt werden, zu analysieren, wie sich Fahrradwege auswirken oder wo noch Raum für breitere Radwege ist. "Um zu demonstrieren, welche Einblicke 'Uber Movement' Städten geben kann, haben wir einerseits das Mobilitätsverhalten während der Coronakrise analysiert, andererseits Großbaustellen wie jene auf der Linken Wienzeile vergangenes Jahr genauer untersucht", sagte Essl.

Die Baustelle habe die Fahrdauer vom Stadtzentrum im Schnitt um fast 40 Prozent erhöht, der coronabedingte Shutdown beeinflusste den Verkehr deutlich und reduzierte die Reisezeiten um mehr als 30 Prozent, so Essl.

Bereits im Datenauftritt der Stadt integriert

Mit der Stadt Wien ist Uber bereits in Kontakt. Die Plattform sei im Datenauftritt der Stadt Wien (Open Government Data) importiert. Gemeinsam mit der Bundeshauptstadt und dem Austrian Institute of Technology (AIT) habe Uber die Daten so strukturiert, dass sie für Stadtplaner und Verkehrsbehörden einen Mehrwert zu bestehendem Datenmaterial bieten, sagte Essl.

Die Pläne der Hauptstadt, die Wiener Innenstadt autofreier zu machen, begrüßte der Uber-Österreich-Chef heute auf Nachfrage. "Der Privat-Pkw muss mehr von der Bildfläche verschwinden, vor allem von der städtischen", sagte Essl.

Derzeit mehr als 3000 Fahrer in Wien

Der Fahrtdienstvermittler hofft noch immer auf Änderungen der geplanten Zusammenlegung des Taxi- und Mietwagen-Gewerbes. Eckpunkte sind einheitliche Tarife für beide Sparten sowie ein verpflichtender Taxischein für alle. Coronabedingt wurde die gesetzliche Änderung aber von September auf Jänner 2021 verschoben. Im Taxigewerbe gibt es in Österreich fixe Preise mit Fahrpreisanzeiger (Taxameter), bei Mietwagen kann der Preis derzeit noch frei vereinbart werden. Mietwagenfirmen können damit deutlich niedrigere Preise anbieten als Taxis. Mietwagen-Fahrer müssen aber nach jeder Fahrt wieder in die Betriebsstätte zurückkehren, wenn sie keinen neuen Auftrag erhalten. Uber ist seit 2014 in Wien aktiv und arbeitet in der Bundeshauptstadt mit rund 200 Mietwagenunternehmen zusammen, die über 3000 Fahrer verfügen. (apa)