Wien. Der Wiener Wohnungsmarkt wird heuer den absoluten Höhepunkt des schon seit vielen Jahren anhaltenden Wohnbaubooms erleben. 2020 dürften rund 19.000 Wohnungen fertiggestellt werden, davon 9000 im ersten Halbjahr, nimmt der Immo-Berater EHL an. Damit liege das Angebot an zusätzlichen Wohnungen erstmals seit vielen Jahren über der demografisch bedingt hohen Nachfrage.

Ab 2021 werde die Zahl der Wohnungsfertigstellungen in Wien aber wieder sinken, auf rund 11.000 im kommenden Jahr und etwa 10.000 im übernächsten Jahr. Darauf würden die schon länger rückläufigen Baubewilligungen hindeuten, sagte die EHL-Wohnungsmarktspezialistin Sandra Bauernfeind am Dienstag in einer Online-Präsentation. Heuer würden mit rund 8800 um 40 Prozent weniger Baubewilligungen erteilt, etwa weil Architekten oder Statiker länger im Homeoffice seien. Auch seien mehrere Wochen die Baustellen stillgestanden und Bauverhandlungen ausgefallen. Eine abwartende Haltung von Bauträgern oder Investoren sehe man nicht.

In Mangel "hineinrutschen"

Wien könne dadurch "wieder in einen Mangel hineinrutschen", weil nun, nach den hohen Fertigstellungen im Gefolge der starken Zuwanderung 2015/16, die Zahl wieder zurückgehe, meinte Bauernfeind. Jedoch würden die Fertigstellungen mit künftig gut 10.000 jährlich noch immer über den ungefähr 7000 in den Jahren bis 2015 liegen.

Die Nachfrage sowohl nach Eigentumswohnungen als auch nach Mietwohnungen sei nach wie vor "sehr gut", so Bauernfeind. Die Eigentumspreise erwarte man heuer im Schnitt um 2,75 Prozent höher, bei Mieten rechne man mit Stabilität auf hohem Niveau. Zu Beginn des coronabedingten Lockdown Mitte März seien die Anfragen um 70 Prozent gesunken, bei Vorsorgewohnungen nur um 50 Prozent. Bei Miet-und selbst genutzten Eigentumswohnungen sei die Nachfrage stärker eingebrochen, hieß es am Dienstag.