Es sei eine Art Hassliebe, die sie mit den Makrophyten verbinde, sagt Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) und blickt aufs Wasser. Recht viel gibt es in der Alten Donau auf Höhe des städtischen Sommerbades Gänsehäufel nicht zu sehen - und das ist gut so. Seit März wird den für die Wasserqualität so wichtigen, das Schwimmvergnügen aber massiv einschränkenden Wasserpflanzen der Garaus gemacht. Über 1300 Tonnen Makrophyten werden heuer bereits gemäht und zu Kompost verarbeitet, mindestens doppelt so viel werden es zu Saisonende sein.

Auch Taucher im Einsatz

Am Donnerstagvormittag sind zwölf Amphibienmähboote im Einsatz. Unter einem Steg grundeln zwei Taucher. Sie mähen die Wasserpflanzen an jenen Stellen, an die die Boote nicht hinkommen, händisch ab. Im Schnitt werden täglich rund 6,5 Hektar Wasserfläche an der Alten Donau bis zu einer Tiefe von 2,5 Meter abgearbeitet, erzählt Gerald Loew, Leiter der Fachabteilung Wiener Gewässer.

Bei strahlendem Sonnenschein tuckert das kleine Boot mit gemächlichen sieben km/h über das mit gelben Gummischläuchen abgesperrte Areal. An sich würde der Motor 60 km/h hergeben, erklärt Schiffsführer Wolfgang Feigl. Aber das würde die Anrainer am Ufer auf den Plan bringen, also halte man sich an das vorgeschriebene Tempolimit, erklärt er, während wir von einem deutlich schnelleren Polizeiboot überholt werden. Feigl koordiniert die Mäharbeiten an der Alten Donau. Von Anfang März bis Ende Oktober ist er täglich mehrere Stunden draußen am Wasser. Ein schöner Beruf? Ja, bei dem Wetter schon, meint er lachend.

Einer der Amphibienmähbootfahrer lädt seine "Ernte" auf einem Sammelschiff ab. Mit einem lauten Krach fährt er auf die schwimmende Lagerfläche auf. Bis zu fünf Tonnen Material können dort gebunkert werden, dann muss das Sammelschiff zurück ans Ufer. Dort wartet dann ein LKW, der die Mahd zum Kompostwerk Lobau abtransportiert.

Die Schiffsführer der insgesamt 15 Amphibienmähboote sind allesamt Saisonarbeiter. Jeder von ihnen besitzt ein "20 Meter Patent" (dieses berechtigt zum Führen von Schiffen bis zu einer Länge von 20 Meter), der Job ist schweißtreibend. Stundenlang sind sie der prallen Sonne ausgesetzt, die Plastikdächer sind bei nahezu allen Fahrzeugen nach hinten geklappt. "Drunter ist es nämlich noch heißer", sagt Feigl.

Die Mähbootflotte der Wiener Gewässer kommt nicht nur auf der Alten Donau zum Einsatz. Auch an Neuen Donau, am Mühlwasser und in der Kuchelau wird an ausgewählten Bereichen wie Zugängen, Stegen, Badeflößer und Uferzonen gemäht. 400 Tonnen Unterwasserpflanzen sind dort bislang zusammengekommen.

Nicht überall wird gemäht. In wenig genutzten ufernahen Bereichen lässt man die Makrophyten einfach stehen. Zum einen deshalb, damit diese für eine gute Wasserqualität sorgen, zum anderen, weil die Wasserpflanzen den Fischen als Laichplätze und Rückzugsgebiete dienen. Im März, April, präsentiere sich die Alte Donau nahezu glasklar, erzählt Feigl. Da sieht man dann bis auf den Grund und manchmal sogar den einen oder anderen Amurkarpfen.

Pflanzenortung per Echolot

Um die Mäharbeiten effizient planen zu können, führen Gewässerbiologen regelmäßig Echolot-Sondierungen in der Alten Donau durch. Dabei werden die Unterwasserpflanzen mittels Schallwellen geortet.

Die ersten Messungen erfolgen in der Regel bereits im Jänner, in der Hauptsaison im Wochentakt. Auf Basis der gesammelten Daten werden dann digitale Mähpläne erstellt. Jedes Mähboot ist mit GPS, Computer und Spezialsoftware ausgestattet. So können die ausgewiesenen Mähbereiche exakt abgearbeitet werden.

So ganz ohne Mäharbeiten wird man auch in Zukunft nicht über die Runden kommen, seitens der Stadt Wien experimentiert man aber bereits seit geraumer Zeit an niederwüchsigen Characeen-Arten, die langfristig den Platz der hochwüchsigen Arten einnehmen sollen. Seit 2017 gibt es eine Versuchsfläche an der Unteren Alten Donau bei der Strombucht. Der Bereich ist abgetrennt, damit sich die Pflanzen ungestört und unbehelligt von hungrigen Fischen entwickeln können.

Diese neuen, deutlich pflegeleichteren Arten entwickeln sich sehr gut, heißt es. Wann sie großflächig zum Einsatz kommen werden, ist derzeit aber noch unklar. Bis dahin bleibt die stadteigene Flotte im Dauereinsatz. Vor allem bedingt durch die immer heißeren Sommer der vergangenen Jahre sei das Wachstum der Makrophyten enorm. Im Rekordjahr 2018 wurden ganze 3350 Tonnen gemäht. Zum Vergleich: Noch 2013 betrug die Gesamtmenge lediglich 72 Tonnen.

Im Vorjahr belief sich die Mahd auf 2700 Tonnen. Bei dieser Zahl werde man sich vermutlich auch heuer wieder einpendeln, so Sima. Die Wiener Badegäste werden es ihr danken.