Er hatte wirklich das Zeug, allein wegen seiner fußballerischen Leistungen und seinem Talent eine österreichische Legende zu werden. Aber seine Neigung zu einer ausgewählten Form von Exhibitionismus sollte für alle Ewigkeit das Andenken an August "Gustl" Starek trüben.

Wenn sich der Gustl ärgerte, konnte er ein bisserl unkontrolliert werden. Wenn er sich sehr ärgerte, ließ er gar seine Hosen herunter und präsentierte dem tobenden Publikum einfach den nackten Hintern. Dabei trat August, der Halbstarke, auch noch als Wiederholungstäter in Erscheinung. Alle Versuche von fußballerischen Mentoren und Gönnern, eine erstmalige Entgleisung 1970 ohne Rapid-Hose vergessen zu machen, scheiterten: Ausgerechnet im noblen Döbling auf der Wiener Hohen Warte verlor der Gustl 1979 nochmals im Zorn das Beinkleid, diesmal seines Wiener-Sport-Club-Trikots. Die wienerischen Beinamen vom "Schwarzen Gustl" oder "Hosen-Gustl" ward er fortan nie wieder los. So verdunkelt endgültig ein schwarzer Schatten die einmalige Sport-Karriere.

Dabei schlug das Herz des "Schwarzen Gustl" die meiste Zeit seines Fußballer-Lebens in Grün-weiß. Nach dem erfolgreichen Karrierestart beim heimatlichen Simmeringer SC hatte Starek schon bei Austria den Anmeldeschein unterschrieben. Doch nach Stareks eigenen Erzählungen änderten 20.000 Schilling "bar auf die Hand" von einem Rapid-Funktionär die violette Einstellung des Mittelfeldspielers. Er mutierte 1965 schlagartig zum Rapidler.

Es folgten legendäre Erfolge, auch bei 22 Einsätzen in der Nationalmannschaft: Österreichs Torschützenkönig, 1967 Wechsel zum 1. FC Nürnberg und mit diesem Klub gleich Deutscher Meister. 1969 errang Bayern München das erste Double. Starek war dabei als Mittelfeld-Regisseur und mehrfacher Torschütze ein Schlüsselspieler des Erfolgs. 1971 folgt die Rückkehr zu Rapid, dann geht es zum LASK und wieder zurück zu Rapid. Mit Grün-weiß wird Starek 1976 nochmals Cup-Sieger. Stationen beim Wiener Sport-Club und zuletzt bei Vienna stehen 1980 mit 35 Jahren am Ende der aktiven Karriere.

Schwierigkeiten hatte das Wiener Fußballgenie immer mit der Disziplin, den Nerven und den Schiedsrichtern. Einer kassierte gar eine "Gnack-Watsch’n". Stareks Ausraster am Feld sind unvergessen. (https://www.youtube.com/watch?v=5HmkRiU2Gyc) Der schwärzeste Tag des "Schwarzen Gustl" mit einem Mann im schwarzen Schiedsrichter-Dress war der 21. November 1970: Beim Match FC Wacker-Innsbruck gegen Rapid (5:0) am Tivoli warf Referee Paul Drabek August wegen grober Unsportlichkeiten vom Platz. Gustl, wegen Schmähungen des Publikums sehr wütend, zeigte darauf hin seinen "Oasch". Zehn Matches Sperre plus Geldstrafe, obwohl er "eh nur eine Backe gezeigt" habe. Am 1. April 1979 wiederholte sich in Döbling ein - ganz kurzes - Schau-Spiel rund um Gustls vier Buchstaben.

Die 1982 begonnene Trainer-Karriere bei Rapid verlief ohne Höhepunkte. Sie war von spektakulären Streitereien mit Funktionären vor laufenden Kameras gekennzeichnet. Legendär auch die echte Intimfeindschaft mit Hans Krankl. Beide Herren sind sich wirklich nicht grün(-weiß).

August Starek wurde am 16. Februar 75 und lebt in Wien.