Eine Gasexplosion in Ottakring konnte knapp verhindert werden. Offenbar hatte ein 61-jähriger Mieter vor seiner drohenden Delogierung die Gasleitung manipuliert. Nach dem Verdächtigen wird wegen mehrfachen Mordversuchs gefahndet. Verletzt wurde niemand.

Das Haus in Ottakring, in dem ein Wohnungsmieter vor seiner Delogierung die Gasleitung manipuliert haben soll. - © apa/Roland Schlager
Das Haus in Ottakring, in dem ein Wohnungsmieter vor seiner Delogierung die Gasleitung manipuliert haben soll. - © apa/Roland Schlager

Seit April 2019 war der Verdächtige die Miete schuldig geblieben, weshalb er nunmehr delogiert werden sollte. Termin dafür war Dienstag, 8.00 Uhr.

Der Schlosser öffnete im Beisein eines Gerichtsvollziehers, eines Vertreters der Hausbesitzerin und eines Zeugen die Tür der Wohnung im zweiten Stock der Degengasse. Wie Feuerwehrsprecher Christian Feiler berichtet, wurde dazu das Schloss aufgefräst.

Großeinsatz nach Gasgeruch

Nachdem die Anwesenden im Inneren der Wohnung Gasgeruch wahrgenommen hatten, flüchteten sie ins Freie und verständigten den Notruf. Daraufhin folgte ein Großeinsatz von Polizei, Berufsfeuerwehr, den Wiener Netzen und der Wiener Berufsrettung.

"Die Gaskonzentration in der Luft war bereits nahe an der Explosionsschwelle", sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Kräfte der Berufsfeuerwehr Wien und Mitarbeiter der Wiener Netze schlossen die Gasleitung, um die Gefahr der Gasexplosion abzuwenden.

Zeitgleich wurde das Wohnhaus mit speziellen Druckbelüftungsgeräten belüftet, Feuerwehrtrupps kontrollierten die Wohnungen des Hauses. Eine Frau musste ins Freie gebracht werden, ansonsten waren keine Hausbewohner anwesend. Verletzt wurde niemand.

Gasleitung beschädigt

Die Einsatzkräfte führten dutzende Kontrollmessungen durch. Die Gaskonzentration in der Wohnung war noch "unterhalb der Explosionsgrenze, das heißt, es war zu wenig Gas im Raum, um zündfähig zu sein", sagte Feiler.

Das schließt allerdings nicht aus, dass es bereits Stellen mit einem zündfähigen Gemisch gegeben hat. Wie lange es noch gedauert hätte, bis dieses im gesamten Wohnungsbereich vorhanden gewesen wäre, lässt sich nicht sagen.

Ermittler des Landeskriminalamtes stellten eine Beschädigung der Gaszuleitung der Gastherme fest, sie wurde durch Werkzeugeinwirkung herbeigeführt, berichtete Eidenberger.

"Deshalb und weil der Mieter nachweislich von der Delogierung gewusst hat, besteht der Verdacht, dass der Mann die Beschädigung vorsätzlich herbeigeführt hat, um eine Explosion bei der Wohnungsöffnung auszulösen", erläuterte der Polizeisprecher. Das Landeskriminalamt beschlagnahmte die Wohnung.

Ähnlicher Fall 2017

Der Fall erinnert an einen ähnlich gelagerten vom Jänner 2017 in Hernals. Damals hatte ein 56-Jähriger vor seiner Delogierung den Gaszähler demontiert, das Gasleitungsventil aufgedreht und so Gas ausströmen lassen.

Als der Schlosser die Tür aufbohrte, kam es zur Explosion. Bei dieser wurde der 64-jährige Hausverwalter getötet. Auch der Gerichtsvollzieher und der Schlosser wurden schwer verletzt, ebenso der Mieter.

Zudem stürzten mehrere Trennwände ein - wodurch in der Nachbarwohnung ein wenige Tage altes Baby unter Ziegeln verschüttet wurde. Das Kind kam wie durch Wunder glimpflich davon. Mehrere Nachbarn des Verurteilten mussten aus ihren Wohnungen evakuiert werden und teilweise in Notunterkünften untergebracht werden. Auch angrenzende Häuser wurden durch die Druckwelle der Explosion beschädigt.

Der 56-Jährige wurde rund ein Jahr später wegen Mordes, 23-fachen Mordversuchs und gefährlicher Drohung schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richterin sprach damals von einem "Akt der Selbstjustiz".