Thaddäus Podgorski bloß als "Fernsehpionier" zu bezeichnen, wird ihm bestimmt nicht gerecht. Vielmehr ist "Teddy" Podgorski so etwas wie leibhaftig gewordene und verkörperte österreichische Fernsehgeschichte. Am Sonntag, den 19. Juli 2020, feiert der Erfinder der "Zeit im Bild", sowie der Sendungen "Seitenblicke", "Seinerzeit", "An den Boxen", "Panorama", "Sportpanorama" und "Universum" seinen 85. Geburtstag. Selbst die Minderheitenredaktion mit der Sendung "Heimat, fremde Heimat" hat der TV-Tausendsassa im Jahr 1988 initiiert.

Der vielseitige "Teddy" ist bzw. war Komödiant, Boxer, Schauspieler, Kabarettist, Regisseur, Filmschauspieler (z. B. im Bockerer), Autor, als Ex-Generalintendant auch Rundfunkpolitiker, studierter Kunstgeschichtler und Germanist, sowie passionierter Sportflieger. Podgorski ist durch und durch ein Schelm, eine "Typen" und dabei vor allem immer ganz geradlinig; ein begnadeter Spassmacher, der aber Menschliches ganz ernst nimmt.

Begonnen hat seine bunte Laufbahn nach dem Krieg als Statist in Burg und Oper. Mit seinem Freund Helmut Qualtinger wohnte er eine Zeit lang im selben Gemeindebau in der Daringergasse. Von den Rollen in kleinen Kellertheatern konnte der junge Schauspieler nicht leben. So verdingte er sich in der Besatzungszeit "ein paar zusätzliche Schilling" beim Radio. Er wurde Sprecher beim US-Sender Rot-Weiss-Rot. Ohne jede Ausbildung wagte er ein Vorsprechen. Als man ihm Nachrichtentexte hinlegte, versuchte der Ungeübte, die Situation mit der Parodie eines Nachrichtensprechers zu retten. Seine Überzeichnung aber muss überzeugt haben: "You are our man" sagten die Amis. So hat alles begonnen.

Als die Besatzer 1955 abzogen und den Sender eingestellten, nagte Teddy am Hungertuch. Die sonst nicht immer menschenfreundliche Rundfunklegende Heinz Fischer-Karwin (1915-1987), ließ ihn bei Radio Wien "völlig überflüssige Texte aufsagen, damit ich mir Geld verdienen konnte", erzählt Podgorski heute.

Bald wechselte er zum damals völlig neuen Fernsehen und erfindet sofort für den Fernsehdirektor Gerhard Freund die "Zeit im Bild". "Guat is der Titel wirklich net, oba lass man derweil", soll Freund zu Podgorski gesagt haben. Der lacht sich heute darüber ins Fäustchen: "Der Name wurde zu einem jener österreichischen Provisorien, die bis heute halten."

Dann wollte der TV-Direktor, dass der kamerascheue Podgorski die Sendung auch moderiert. Wieder versuchte er es mit einer Parodie, "um das nie wieder machen zu müssen." Aber tausende Anrufer und der Direktor waren voll Begeisterung. Diese wich bei diesem erst 1959 nach einer kritischen Podgorski-Reportage über den Schah von Persien im Vorfeld von dessen geplanten Wien-Besuch. Der Schah setzte diesen wegen der Sendung aus. Die ÖVP tobte im Parlament, wie man "gegen seine Majestät, den Schah" solche Kritik im Fernsehen bringen könne und Podgorski wurde von Freund gefeuert: "I muass Sie jetzt aussehau’n.",Aber warum?" "Sonst hau’n die mich ausse", lautete die Begründung. Eine Protestwelle von Journalisten und eine Brandrede im Parlament, des damals sehr populären FP-Abgeordenten Gustav Zeilinger, retteten schließlich Podgorskis Kopf doch noch. Einmal noch, im Jahr 1967, sollte Teddy im Fernsehen gemaßregelt werden. Eine ironische Schlussbemerkung in einem Beitrag über die Salzburger Festspiele versetzte den damaligen Generalintendanten Gerd Bacher so in Rage, dass er Podgorski aus dem Aktuellen Dienst warf. Er brauche keinen "Bert Brecht im Aktuellen Dienst", ließ Bacher verlauten.

Heute noch schmunzelt Podgorski über den Vergleich. "Ich war dann der erste weiße Elefant im ORF." Weil ihm "fad war", erfand er neue Formate, wie "Panorama" und "Sportpanorama".

Wohl deshalb folgte viel später das Angebot, die "Hauptabteilung Sport" zu übernehmen. Das hatte Teddy nie angestrebt und sträubte sich auch. Aber dann bewies er auch dort seine journalistischen Qualitäten. Podgorskis Weg ist daher von zahlreichen Auszeichnungen geprägt. "Bambi" und "Goldene Kamera" zählen dazu.

1986 wurde Podgorski für vier Jahre Bachers Nachfolger als ORF-Chef - und gleichzeitig auch wieder dessen Vorgänger. Podgorski war wohl der einzige ORF-General, der so viele Programmideen entwarf und realisierte.