Am 20. August 2018 legt die damals 15-jährige Greta Thunberg den Grundstein für die Fridays-For-Future-Bewegung. Ein halbes Jahr später, am 15. März 2019, versammeln sich fast 1,8 Millionen Menschen auf den Straßen, um am ersten internationalen Klimastreik teilzunehmen. Auch in den Folgemonaten kann sich die Organisation großer Beliebtheit freuen. Jeden Freitag treffen sich Tausende. Doch das ist nun nicht mehr möglich. Seit dem Ausbruch der Corona-Krise Anfang März und den damit verbundenen sozialen Einschränkungen sieht sich die Organisation vor vielen Herausforderungen. Das Protestieren ist nicht möglich, Menschenmassen sind tabu. Wie also bleibt eine Bewegung am Leben, die sich ausschließlich durch Demonstrationen eine Stimme verschafft? Hat Fridays For Future wirklich eine Zukunft?

- © apa/Fridays For Future/Julian Kragler
© apa/Fridays For Future/Julian Kragler

Laut Helene Galbavy, Klimaaktivistin bei FFF-Wien, liegt die Rettung der Organisation in der Digitalisierung: "Während des Lockdowns waren wir natürlich sehr eingeschränkt. Es gab aber sogenannte Onlinestreiks, mit denen wir weiterhin unsere Anliegen vertreten konnten."

Mit gebastelten Streikschildern im Internet

Alle Teilnehmer wurden dazu aufgerufen, sich ein Streikschild zu basteln. Anschließend sollte ein Foto gemacht und auf sozialen Plattformen hochgeladen werden. In kurzer Zeit zog die Bewegung wieder die Aufmerksamkeit der Welt auf sich. In Deutschland bekannten Prominente wie die Sängerin Lena Meyer-Landrut mit Auftritten bei den Livestream- Demos ihre Begeisterung für Klima Aktivismus.

Auch in Österreich fanden die Proteste per Livestream zahlreiche Unterstützer. Hierbei wurden auch die Teilnehmerzahlen auf die Website der FFF projiziert, um den Eifer der Anhänger zu verdeutlichen. Fridays For Future feierte ein Hoch. Diesmal ein digitales.

Allerdings steht FFF wiederum vor neuen Problemen. Die Lockerung vieler Beschränkungen und das Ende des Lockdowns rief nicht das Wiederaufleben von Fridays For Future hervor. Entgegen den Erwartungen der Bewegung ist die Zahl derer, die nun wieder auf der Straße demonstrieren wollen, niedriger als gedacht. Sieht sich die Bewegung am Ende?

Helene Galbavy ist optimistisch: "Corona hat uns zwar viele Gelegenheiten weggenommen, aber es haben sich auch Möglichkeiten aufgetan. Wir haben zusammen mit mehr als 100 anderen NGOs und mehr als 500 Wissenschaftern den ,Klima-Corona-Deal’ entwickelt." Es sei wichtiger denn je die Politik an die Klimakrise zu erinnern, um den Einstieg in die neue Normalität möglichst umweltfreundlich zu gestalten.

Auf der Website von Fridays For Future Österreich heißt es, dass der "Klima-Corona-Deal" vier Forderungen an die Politik stellt: Alle Staatshilfen sollen für die Eindämmung der Erderwärmung genutzt werden, in weiterer Folge wird auch die Sicherung der Zukunft aller Menschen gefordert. Außerdem soll die Krise demokratisch bewältigt werden und auch globale Klimagerechtigkeit wird als Ziel genannt. Forderungen, die die Politiker auf Trab halten sollen.

Für Fridays For Future heißt das Ziel nach der Pandemie eine umgebaute, klimaneutrale Ökonomie. Das aktuelle System, so Galbavy, sei nicht zukunftstauglich. Um dies auch zu erreichen, bemüht sich die Bewegung in den Sommermonaten um die Mobilisierung neuer Unterstützer - etwa durch das Verteilen von Broschüren oder auch Onlineaktionen. "Momentan können wir nur hoffen, dass nicht wieder ein Lockdown kommt, denn noch einmal können wir uns so einen Rückschlag vermutlich nicht leisten."