An Baustellen im Sommer ist man in der Bundeshauptstadt gewöhnt. Spätestens zu Ferienbeginn rückt auf Wiens Straßen das schwere Gerät an, bis zum Schulanfang im Herbst ist naturgemäß mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.

Normalerweise bleibt das Verkehrschaos aus. In den heißen Sommermonaten Juli und August ist in der Stadt nicht viel los, es gibt im Schnitt 20 Prozent weniger Verkehr auf den Straßen.

Heuer ist jedoch alles anders. Seit Anfang der Woche folgt eine Stauwarnung auf die andere. Autofahrer müssen teilweise bis zu 45 Minuten längere Wegzeiten in Kauf nehmen. Die Ursache dafür: Corona-bedingt verzichten zahlreiche Wienerinnen und Wiener auf den Sommerurlaub und bleiben stattdessen in der Stadt.

Ein Trend, den man bei den Autofahrerclubs bereits zu Ferienbeginn beobachtet habe. "Kaum Wartezeiten an den Grenzen, keine Stauwarnungen entlang der klassischen Ferienrouten", heißt es beim Arbö.

Besonders betroffen sind naturgemäß die Hauptverkehrsrouten. Kilometerlange Staus auf der Tangente, laut ÖAMTC setzt der Feierabendverkehr heuer bereits ab 13, 14 Uhr ein, und nicht erst ab 16 Uhr. Noch massivere Auswirkungen haben derzeit allerdings die alljährlichen Flächensanierungen am Gürtel. Aktuell befindet sich die Baustelle auf Höhe Äußerer Währinger Gürtel, der Rückstau reicht vor allem beim Frühverkehr bis zur Gürtelbrücke. Für enorme Verkehrsbehinderungen sorgt derzeit auch die Baustelle der Wiener Linien im Bereich Lerchenfelder Straße, Innerer Lerchenfelder Gürtel. Dort wird auf Höhe Blindengasse, Kaiserstraße derzeit das gesamte Kreuzungsplateau umgebaut, der Stau reicht laut Arbö mitunter bis zum Westbahnhof.

Ebenfalls mit erheblichen Verzögerungen ist auf der Raxstraße zu rechnen. Zusätzlich zur Baustelle gibt es dort eine Tempobeschränkung. Die Baustelle auf der Nordbahnstraße (Am Tabor) wiederum führt dazu, dass derzeit die Taborstraße und die Heinestraße als Ausweichrouten herhalten und deshalb ein entsprechend höheres Verkehrsaufkommen verkraften müssen. Dies gelte auch für "Durchzugsstraßen" im 7., 8. und 9. Bezirk, die ebenfalls als Alternativrouten dienen.

Gute Nerven brauchen dieser Tage auch Autofahrer, die über die Westeinfahrt kommen. Am Hietzinger Kai, Höhe U4-Station Unter St. Veit, steht vor allem der Frühverkehr teilweise still. "Bei der Westeinfahrt reicht schon eine kleine Baustelle, und nichts geht mehr", heißt es beim ÖAMTC.

Die nächste Herausforderung für Autofahrer steht bereits vor der Tür. Ab 6. August wird die Auffahrt vom Gürtel auf die A23 in Richtung Süden gesperrt. 20 bis 45 Minuten mehr Fahrzeit sollten eingeplant werden.